Expertengespräch in Coburg: „Dieser Verbrenner ist eine Mainframe-Technologie“ – Coburg

Dem entgegnete Brose-CEO Schrickel, dass bei der Frage nach der Effizienz der Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Autos zu richten sei. „Wir müssen mit der Bestandsflotte arbeiten“, ergänzte Professor Jakob. Auch in den kommenden Jahren würden noch Millionen Autos mit Verbrennungsmotor auf der Straße sein. Letztlich sei nicht der Motor das Problem, sondern der Kraftstoff. Hier gebe es noch Luft nach oben für mehr Effizienz und Umweltverträglichkeit.

„Nicht besonders intelligent, nur auf ein Pferd zu setzen“

Grundsätzlich plädierte der Vertreter der Hochschule für eine offene Konkurrenz der Antriebstechnologien. Auf dem Markt werde sich durchsetzen, was wirtschaftlich sinnvoll und für die Menschen bezahlbar sei. „Es ist nicht besonders intelligent, nur auf ein Pferd zu setzen“, meinte auch Schrickel. Er erinnerte, dass für die Batterieherstellung seltene Ressourcen wie Kobalt und Lithium benötigt würden.

Bei Bussen sei der Dieselmotor auch aus ökologischer Sicht noch konkurrenzfähig, so Michael Mittag, einer der führenden Köpfe bei FlixBus und FlixTrain. FlixBus setze im Durchschnitt alle drei Jahre einen neuen Bus ein, der dann auf dem aktuellen Stand der Technik sei. Elektrobusse seien noch keine Alternative für den Fernverkehr. Nachholbedarf sieht Mittag bei der Elektrifizierung von Bahnstrecken in Deutschland. Da gebe es noch große Lücken. Zustimmung erntete er von Christian Irmisch von Siemens Mobility. Der „bekennende Straßenbahn-Fan“ kann sich vorstellen, dass dieses elektrische System wieder verstärkt in größeren Städten Einzug hält.

Einig war sich die Runde, dass unterschiedliche Verkehrsmittel möglichst einfach zu nutzen sein sollten. Die Menschen sollten schnell und unkompliziert das für sie passende Beförderungsmittel wählen können. Dann sei für viele nicht mehr allein das Auto die individuell beste Möglichkeit, von A nach B zu kommen.