Elfenbein-Panoptikum im Humboldt Forum Hauptstadt von Deutschland

Zwei Elefantenstoßzähne sind längsseitig aufgeschnitten. Darin Gebrauchs- und Kunstgegenstände der Menschheit: Perlenketten, Schachfiguren, Skulpturen, Armreife, Teekannen und Vasen. Rund 30 Objekte sind in den beiden Zähnen aufgereiht, die von einem Elefanten aus dem südlichen Afrika stammen. Doch die Eineinhalb- Meter-Stoßzähne sind keine normalen Kunstwerke aus Elfenbein. Es sind Ausstellungsstücke, die 1931 für die Internationale Kolonialausstellung in Paris entstanden sind und nun im Berliner Humboldt Forum gezeigt werden. Damals sollten sie die Bedeutung des Elfenbeins für die Industriegesellschaft verdeutlichen.

Die „Stoßzähne mit Elfenbeinprodukten“ des Elfenbeinschnitzers und -künstlers Monsieur Doderay aus Paris, normalerweise ausgestellt im Musée du quai Branly in Paris, sind ein Symbol für die Verarbeitung eines der ältesten Materialien des Kunsthandwerks. Und sie sind ein Sinnbild des Gräuels, der mit der Gewinnung von Elfenbein einherging – die Entnahme endet fast immer tödlich für die Elefanten. In Europa glaubte man, auf den Rohstoff aus den damaligen Kolonien angewiesen zu sein. Besonders die Vorderteile der Zähne wurden für Schmuck und Gebrauchsgegenstände genutzt, weil sie am härtesten waren. Daraus wurden zum Beispiel auch die ersten Billardkugeln gefertigt. Für ein Set mit 16 Kugeln waren die Stoßzähne zweier Elefanten nötig.

Elfenbein fasziniert die Menschen bis heute

Bis in die Nachkriegszeit war das „weiße Gold“ das beliebteste Material dafür, es hatte die richtige Härte und Elastizität, um die Energie des Queue-Stoßes von Kugel zu Kugel weitergeben zu können. Als der einst elitäre Sport im 19. Jahrhundert zum Massenphänomen wurde, besonders in den Vereinigten Staaten und in Europa, wuchs der Bedarf an Elfenbein rapide. Hunderttausende Elefanten wurden getötet, um die Produktion der Kugeln zu sichern. Dennoch kam es um 1850 zu einer Rohstoffknappheit und massiven Preisanstiegen. So begann die Suche nach einem Ersatzmaterial. Michael Phelan, der als erster Star unter den amerikanischen Billardspielern gilt, schrieb 1863 einen Preis von 10.000 Dollar für eine Alternative zur Elfenbeinkugel aus. Sechs Jahre später fand John Wesley Hyatt ein Material, das den Anforderungen genügte: Zelluloid.

Elfenbein fasziniert die Menschen bis heute. Die weiße Farbe und die ebenmäßige Form versinnbildlichen Reinheit und Unschuld – auch wenn bei der Gewinnung davon keine Rede sein kann. Schon das Handwerk, die Elfenbeinschnitzkunst, war außergewöhnlich. Mit Pflanzensud wurde das Material erhitzt und elastisch gemacht, um danach geschnitzt zu werden. Die Weiterverarbeitung fand nach dem Trocknen mit feinsten Messern statt. Skulpturen, Kämme, Schmuck, sogar Möbel wurden daraus gefertigt. Die weiß leuchtende Struktur und die weiche Haptik machten Elfenbein zum Luxusprodukt und zum Gebrauchsgegenstand zugleich.

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