Eisbären fiebern Titelduell entgegen – EVR – News

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Gegner Selb geht mit breiter Brust in die Finalserie. Wölfe-Coach Hohenberger sieht die Regensburger leicht favorisiert.

Von Heinz Gläser

Am 12. Februar bezwangen die Eisbären in der heimischen Donau-Arena die Selber Wölfe (links Torhüter Michel Weidekamp) mit 5:4 nach Verlängerung. Foto: Andreas Nickl

Regensburg.So trifft man sich wieder. Ein ähnliches Déjà-vu hatten Portugal und Griechenland
bei der Fußball-EM 2004, als das Eröffnungsspiel auch die spätere Finalpaarung war.
Als die Eishockey-Oberliga Süd am 6. November reichlich verspätet in die Saison startete,
kreuzten gleich am ersten Hauptrundenspieltag die Selber Wölfe und die Eisbären die
Schläger. Mit 3:2 hatten die Regensburger damals in Oberfranken das bessere Ende für
sich. Knapp versprechen auch die Duelle zu werden, wenn beide Teams ab diesem Freitag
(20 Uhr) in der Best-of-five-Finalserie den Südmeister ermitteln, der sich fürs Playoff-Aufstiegsfinale
gegen den Nord-Primus qualifiziert. Die Mittelbayerische blickt voraus auf Begegnungen,
die packende Auseinandersetzungen versprechen.

Herbert Hohenberger coacht seit Anfang 2020 die Selber Wölfe. Foto: Eibner-Pressefoto

Für Herbert Hohenberger folgt das erneute Aufeinandertreffen mit den Eisbären einer
gewissen Logik. „Dass Regensburg und wir zum Favoritenkreis zählen würden, war vor
der Saison bekannt. Aber über die gesamte Spielzeit gesehen gibt es viele Dinge, die
das beeinflussen können. Corona zum Beispiel. Es treffen jetzt die Top-Teams aus dem
Süden im Finale aufeinander. Es wird auf jeden Fall spannend“, sagt der Trainer der
Wölfe.

„Wir haben versucht, die Pause zu nutzen – fürs Training und für die Regeneration.“

Max Kaltenhauser

Selb rang in fünf engen Partien die Starbulls Rosenheim nieder, behielt erst am vergangenen
Sonntag mit einem 2:0-Sieg die Oberhand. Den Eisbären hingegen war nach dem glatten
3:0 in der Serie gegen Höchstadt deutlich mehr Pause vergönnt. Zur ganzen Wahrheit
zählt freilich auch, dass die Regensburger zuvor gegen Memmingen über die volle Distanz
gegangen waren, während Selb sich der Aufgabe gegen Lindau im Schnelldurchgang entledigt
hatte.

Eisbären-Infos

  • Kür:

    Es ist die letzte Wahlchance: Bis heute, 16. April (24 Uhr), sucht die Mittelbayerische
    ausschließlich im Netz den „Spieler der Saison“ bei den Eisbären. Die Fanwahl, die
    1999 mit Christian Helber als Sieger begann, findet bei uns im Internetportal unter
    www.mittelbayerische.de/eisbaeren-wahl/ statt. Bitte beachten: Jeder Fan hat nur eine
    Stimme.

  • Auszeichnung:

    Am Donnerstagnachmittag verkündete das Fachblatt „Eishockey News“ die Topspieler
    der Oberliga Süd. Eine Jury von Vereinsvertretern und Fachjournalisten, unter ihnen
    auch Eisbären-Coach Max Kaltenhauser und MZ-Experte Claus Wotruba, kürte Selbs Nicholas
    Miglio zum „Spieler der Saison“. Die Eisbären Nikola Gajovsky (Foto: Nickl), Richard
    Divis und Peter Flache belegten die Plätze zwei, fünf und neun. Zweite Plätze gab
    es auch für Eisbären-Keeper Peter Holmgren sowie Max Kaltenhauser in der Trainerwertung.

  • Nord-Liga:

    Die Oberliga Nord spielt die Playoffs im Best-of-three-Modus: Ab Freitag treffen
    die Hannover Scorpions (Vorrunden-1.) und die Crocodiles Hamburg (5.) sowie die Tilburg
    Trappers (2.) und der Herner EV (4.) im Halbfinale aufeinander. Aufstiegsberechtigt
    sind nur die Scorpions und Herne. Mit Halle (3.) und den Hannover Indians (7.) waren
    zwei Teams vor Playoff-Start corona-bedingt ausgeschieden. Für die Finalserie ab 30.
    April, deren Sieger in die DEL 2 aufsteigt, hat bei gleicher Vorrunden-Platzierung
    der Norden Heimrecht. Für den Fall, dass ein die Aufstiegsvoraussetzungen nicht erfüllendes
    Team Nord-Meister wird, rückt der unterlegene Finalist nach, sofern er das will und
    tut.

„Wir haben versucht, die Pause zu nutzen – fürs Training und für die Regeneration“,
beschreibt Eisbären-Coach Max Kaltenhauser, der am Donnerstag seinen 40. Geburtstag
feierte, die Vorbereitung. In den 15 Tagen zuvor hatten die Regensburger acht Spiele
zu absolvieren. „Wir sind in unserer Playoff-Welt und voll fokussiert“, sagt Kaltenhauser.
Beide Teams, Selb wie die Eisbären des EVR, hätten im bisherigen Saisonverlauf bewiesen,
dass sie über „Gewinnermentalität“ verfügen.

„Wir werden wie immer von Spiel zu Spiel denken und unsere Freude und Motivation
in jedes Match bringen“, ergänzt der sportliche Leiter der Eisbären, Stefan Schnabl.

Eishockey

Max Kaltenhauser kennt das Erfolgsmuster

Noch bevor die Finalserie beginnt, wird der Erfolgstrainer der Eisbären 40. Sich selbst hätte er einst nicht verpflichtet.

„Vielleicht kommt uns sogar zugute, dass wir mehr im Rhythmus bleiben und gleich bereit
sind fürs erste Spiel. Es kann ein Vorteil sein, aber auch ein Nachteil, wenn du über
fünf gehst und Regensburg nur über drei. Wir werden sehen“, wägt derweil Herbert Hohenberger
die Ausgangssituation ab. Einen Substanzverlust habe seine Mannschaft nicht zu beklagen,
versichert er, „höchstens kleinere Blessuren, aber die hat ja in den Playoffs jeder“.
Bis auf den langzeitverletzten Maximilian Hirschberger sollten die Wölfe komplett
sein. Die Eisbären müssen zum Auftakt auf Lars Schiller verzichten, der aber schon
wieder auf dem Eis trainiert. Ein Comeback des Verteidigers noch in dieser Playoff-Serie
hält Kaltenhauser allerdings für unwahrscheinlich.

Bei Olympia und Weltmeisterschaften

Der gebürtige Villacher Hohenberger blickt selbst auf eine bewegte Karriere auf dem
Eis zurück, in der es ihn bis nach Übersee verschlug. Insgesamt neun A- und B-Weltmeisterschaften
sowie die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer stehen in der Vita
des Österreichers. In Selb steht der 52-Jährige nach diversen Trainerstationen, unter
anderem in Hamburg und Herne, seit Anfang 2020 als Hauptverantwortlicher hinter der
Bande.

Wenn Hohenberger den Regensburgern eine leichte Favoritenrolle zuweist, übt er sich
wohl in gepflegtem Understatement. Er stellt sein Team auf ein „ein sehr gutes Powerplay“
der Eisbären ein. Außerdem fordert er von seinen Schützlingen mehr Disziplin als zuletzt:
„Gegen Rosenheim hatten wir doch sehr viele Strafzeiten.“ Entscheiden werde letztlich
die Tagesform, prophezeit er. Selb und Regensburg hätten dieselbe Kadertiefe. „Rosenheim
hat konstant mit drei Reihen gespielt, wir mit vier. Das hat uns vielleicht zum Schluss
den Sieg gebracht. Die Eisbären spielen auch mit vier Reihen, und die Serie kann über
fünf Spiele gehen. Mal schauen, wer den längeren Atem hat“, sagt Hohenberger.

Eishockey

Ein Eisbären-Feiertag auf allen Ebenen

Nach Finaleinzug: Kaltenhauser ist bereits „megastolz“ auf die Saison, Kapitän Flache hat auch privat Grund zu feiern.

Die spezielle Rivalität, wie sie zwischen den Oberfranken und den Oberpfälzern in
der Vergangenheit gewachsen war, spielt für Hohenberger diesmal keine Rolle. Ohne
die lautstarke Unterstützung der Fans auf den Rängen sei das „maximal ein Facebook-
oder Instagram-Derby“, beklagt er die äußeren Umstände in der Pandemie. „Jetzt hätten
wir auf beiden Seiten volle Hütten. Aber es ist halt so, wir können es nicht ändern“,
fügt er hinzu.

Auf die Fangkünste von Eisbären-Goalie Peter Holmgren wird es erneut ankommen.Auf die Fangkünste von Eisbären-Goalie Peter Holmgren wird es erneut ankommen. Foto: Andreas Nickl

Mit dem 29-jährigen US-Amerikaner Nicholas Miglio steht in den Reihen der Wölfe der
Topscorer der Liga. Als starker Rückhalt in den Playoffs hat sich nach dem Abgang
von Torhüter Florian Mnich im Februar der erst 23 Jahre alte Michel Weidekamp erwiesen.
„Ja, er spielt super. Weide ist gut drauf und wird die Serie beginnen“, lobt Hohenberger.

„Selb ist natürlich keine Großstadt, aber eishockeyverrückt.“

Herbert Hohenberger

Wie die Regensburger haben die Selber die Lizenzunterlagen für die DEL2 abgegeben.
„Unser Ziel sollte der Aufstieg sein. Das gilt auch für Regenburg. Insofern streben
wir das gleiche Ziel an“, sagt Hohenberger, der seinen Vertrag bei den Wölfen bereits
für die kommende Saison verlängert hat. Der Österreicher sieht großes Eishockey-Entwicklungspotenzial
in der lediglich knapp 15 000 Einwohner zählenden Kreisstadt und spricht von einer
spannenden Aufgabe. „Es passiert hier in den nächsten zwei Jahren einiges: ein massiver
Umbau des Eisstadions, ein neuer Kabinentrakt, ein Fitnessstudio, VIP-Räume. Selb
ist natürlich keine Großstadt, aber eishockeyverrückt. Es gibt großzügige Gönner und
Sponsoren. Dass hier so etwas entsteht, ist natürlich sehr positiv für die gesamte
Region“, sagt Hohenberger.

Suche nach neuen Partnern

Auch bei den Eisbären laufen unterdessen bereits die Planungen. „An einem Standort
wie Regensburg sollte es selbstverständlich sein, dass sich unsere Wirtschaftsunternehmen
beim Spitzensport in allen Publikumsvereinen engagieren, auch und gerade in schwierigen
Zeiten“, wird Geschäftsführer Christian Sommerer in einer Pressemitteilung zitiert.
Die Suche nach neuen Partnern laufe daher auf Hochtouren.

Porträt

Vom „Nicht-Sportler“ zum Eisbären-Macher

Christian Volkmer war früher nur Ministrant. Jetzt unterstützt er viele Sportvereine – und ist der starke Mann der Eisbären.

„Die Unterstützung und der Zusammenhalt der bisherigen Sponsoren und Partner, der
Gesellschafter und Fans ist riesengroß“, lobt Sommerer, „wir können uns nur bedanken
und arbeiten hart daran, dieses Vertrauen durch zuverlässige und professionelle Arbeit
zurückzuzahlen“.

Spiel zwei der Finalserie ist für Sonntag um 17 Uhr in Selb terminiert. Das dritte
Aufeinandertreffen findet dann wieder in Regensburg statt, und zwar am Dienstag um
20 Uhr. Falls erforderlich geht es am Freitag um 19.30 Uhr bei den Selber Wölfen weiter.
Spätestens in Spiel fünf am Sonntag, 25. April, ab 17 Uhr in der Donau-Arena wird
entschieden, wer Südmeister wird.


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Heinz Gläser