Ein Chevy pro den schönsten Tag im Leben

Bei «US-Cars and trucks-Fahren.ch» kann guy Oldies aus den Fünfzigern zum Selberfahren mieten – nicht nur für Hochzeiten

Raphael Schibli und Frau Nicole haben ihre Original Chevrolets Bel Air seinerzeit direkt aus den Usa importiert. Alles begann mit einer Idee auf Cuba – jetzt sind die Chevys Familienkutsche und Zustupf zugleich.

Wohlig beginnt der Sechszylinder beim Dreh des Zündschlüssels zu brummen. Jetzt nur noch die Lenkradschaltung auf «D» und schon rollt das Fünf-Meter-Schiff an. Das riesige, aber filigrane Steuer des hellblauen Bel Air Baujahr 1954 muss person dabei stets fest im Griff haben – trotz Servolenkung. Sonst zieht der Strassenkreuzer Richtung Fahrbahnrand. Auch der Bremsweg fällt spürbar länger aus als bei modernen Autos. Aber schon nach ein paar Kilometern hat guy es drauf und das Cruisen im gutmütigen Veteranen macht richtig Laune. Dass man die US Automobiles aus den Fünfzigern auch selbst fahren darf, ist die eigentliche Besonderheit beim Geschäftsmodell von «US-Automobiles-Fahren.ch». Doch am Anfang stand das Passion.

Vom Italiener zum Ami
«Ich hatte schon immer Benzin im Blut und auch Motoren haben mich fasziniert», erzählt Raphael Schibli von seiner Leidenschaft. Dem 46-Jährigen, der im Hauptberuf Kundenberater ist, hatten es zunächst italienische Autos angetan. Vor allem die von Fiat und Alfa Romeo. Früher besass er unter anderem einen sportlichen Alfa GTV 6 von 1981 – ebenfalls mit Sechszylindermotor – und dazu noch ein Golfing I Cabrio für den Alltag. Später tauschte er die Oldies gegen ein Bicycle von Harley Davidson. Doch das war dem zweifachen Familienvater irgendwann zu gefährlich. Eine familientaugliche Alternate musste her.

Es sollte ein «Cuba-Car» sein
Ehefrau Nicole begeisterte sich eigentlich nicht wirklich für alte Autos. Seit einem Kuba-Journey 2005 war sie allerdings Feuer und Flamme für die sogenannten «Cuba-Cars», amerikanische Klassiker aus den Fünfzigern, die noch heute den kommunistischen Inselstaat unsicher machen. Damals reichte es zwar nur für ein Gemälde vom Strassenkünstler, das einen pastellfarbenen 1954er Chevy Bel Air zeigte. Jetzt, fünf Jahre später, schien die Zeit aber reif für einen echten «Cuba Car» – natürlich in einem Pastellton. Das sei zumindest für seine Frau sofort klar gewesen, berichtet Raphael Schibli schmunzelnd.

Import aus Amerika
Es wurde dann ein wunderschöner Chevrolet Bel Air in Hellblau mit weissem Dach – jedoch aus Amerika. Weil der kubanische Markt nichts Passendes hergab, importierten die Schiblis ihren Chevy aus den United states of america: «Mir war wichtig, dass das Vehicle im Originalzustand war, damit es keine Probleme bei der MFK gibt», erklärt Schibli. Verbastelte Oldtimer seien in den Staaten keine Seltenheit. Der 1954er mit zwei durchgängigen Sitzbänken wurde schnell zum festen Familienmitglied. Für den 13-jährigen Sohn und die 14-jährige Tochter ist der Cruiser längst nichts Besonderes mehr. Der drei Jahre später importierte 1957er Bel Air mit markanter Heckflosse sollte ursprünglich nur aufgefrischt und mit etwas Gewinn in der Schweiz verkauft werden, doch war er in einem weniger guten Zustand als gedacht. Die Reparatur zog sich in die Länge. In dieser Zeit reifte eine neue Idee.

Heiraten im Klassiker
Immer wieder fragten Bekannte, ob sie nicht eines der Autos für ihre Hochzeit oder Geburtstage borgen könnten. Die positiven Rückmeldungen ermutigten Nicole und Raphael Schibli schliesslich, ihre Fifty Automobiles zu vermieten – und zwar zum Selberfahren, nicht als Chauffeursauto: «Wir wollten nicht jedes Wochenende auf Hochzeiten verbringen.» Versichert sind die Chevys deshalb als Mietautos. Dafür mussten die Schiblis eigens eine Firma gründen. Von Mai bis Oktober sind die US Automobiles seither rapidly jedes Wochenende auf Achse. 900 Fr. kostet die Miete für zwei Tage. Passiert sei bei den Einsätzen zum Glück noch nie etwas, erzählt der Oldiefan. Nicht einmal eine verschrammte Felge! Kein Wunder, die Veteranen fahren sich nicht nur «bubieinfach», sondern helfen wunderbar zu entschleunigen – wie es sich eben für waschechte Cruiser gehört.

Michael Lux

Berlin Ernachrichten