Dieser neue Industrie- und Handelskammer-Vorsitzender Daniel-Jan Girl fordert vom Senat: „Wirtschaft first“

BerlinDer neue Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), der 40-jährige Digital-Unternehmer Daniel-Jan Girl, erwartet vom Senat ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Berlin. „Wirtschaft ist die Grundlage der Stadt“, sagte Girl der Berliner Zeitung. Für die neue Landesregierung müsse das Motto gelten: „Wirtschaft first“. 

Neuer IHK-Präsident weist Kampfkandidatur zurück

Girl wurde am Dienstag auf der Vollversammlung der IHK überraschend zum neuen Präsidenten gewählt. Er folgt auf Beatrice Kramm, die nach fünfeinhalb Jahren im Amt nicht wieder antrat. Kramm war die erste Frau an der Spitze der IHK. Beobachter hatten damit gerechnet, dass Präsidiumsmitglied Tobias Weber ihr nachfolgt – doch dann kündigte auch Girl seine Kandidatur an. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung weist Girl den Begriff der Kampfkandidatur allerdings zurück. „Zu einer Wahl gehört Auswahl, also mindestens eins plus x“, sagte er. Differenzen gebe es nicht, beide – Girl und Weber – hätten den Anspruch „die Stadt voranzubringen und auch der Politik deutlich zu machen, was die Berliner Wirtschaft braucht“.

Aus Sicht des neuen IHK-Präsidenten steht Berlin in den nächsten Jahren vor einer Reihe von wirtschaftlichen Herausforderungen. Die Corona-Krise habe hier weniger stark gewütet als anderswo. Aber: „Die Spätfolgen sind noch unklar.“ Als weiteres wichtiges Thema nennt Girl den Bereich Ausbildung, wo es darum ginge, Unternehmen und Stellensuchende enger zusammenzuführen. Tempo wünscht sich der Unternehmer bei der Digitalisierung der Verwaltung, dem Ausbau der digitalen Infrastruktur und der Verkehrsinfrastruktur. Girls Vision: „Für globale Herausforderungen wie Energiewende und Klimaschutz müssen Produkte und Dienstleistungen in Berlin entwickelt werden.“ Die Stadt solle ein „weltweiter Leuchtturm“ sein. 

Zum Festakt in der IHK-Zentrale am Abend kamen etwa 250 Gäste, darunter auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Die IHK vertritt in Berlin rund 320.000 Mitgliedsunternehmen.