Dieser deutschen Wirtschaft geht es viel besser qua erwartet – Wirtschaft

Der Industrie wurde zu Beginn der Corona-Krise der Absturz prophezeit. Doch er blieb aus. Jetzt kommt es aber zu Lieferengpssen. Steigende Preise und Investitionen drften sie aber beseitigen.

Wer htte das gedacht? Mehr als 15 Monate nach Ausbruch der Corona-Krise arbeitet die Industrie in Sdbaden und im Rest der Republik wieder wie zu jener Zeit, als von einer Pandemie noch kaum die Rede war. Die von Schwarzsehern prophezeite Apokalypse ist nicht eingetreten. Weder kam es zu drastischen Arbeitsplatzverlusten noch zum Massensterben von Unternehmen.

Dass es keinen Absturz in den Abgrund gab, ist in erster Linie dem entschlossenen Handeln der Staaten zu verdanken. Mit ihren vielfltigen Untersttzungsprogrammen, zu denen vielerorts die Kurzarbeit zhlte, sicherten sie Einkommen. Das schuf Vertrauen darauf, dass es weitergeht. Leute kauften ein, Produkte wurden hergestellt. Geld floss – im Gegensatz zur Finanzkrise 2008/2009, als Kapitalquellen quasi ber Nacht versiegten.

Steigende Impfquoten und sinkende Inzidenzzahlen verhieen spter eine baldige Rckkehr zur Normalitt. Optimismus kehrte wieder ein, die Kauflaune nahm zu. Geld war genug vorhanden, die Sparbcher sind nach wie vor gefllt. Neue Konjunkturprogramme wie in den USA gaben der Wirtschaft zustzlichen Schub. Entsprechend fllten sich die Auftragsbcher. Vor allem im exportorientierten und industriestarken Deutschland ist das zu spren. Wie stets in der Vergangenheit zieht auch jetzt die Ausfuhr das Land konomisch aus der Krise.

Allerdings bereitet die Versorgung mit Rohstoffen und Vorprodukten Kopfzerbrechen. Lieferketten funktionieren nicht wie gewohnt. Angesichts der Knappheiten und der grassierenden Furcht, mit leeren Hnden dazustehen, werden Hamsterkufe gettigt, was wiederum zu drastischen Preissteigerungen fhrt.

Von Dauer werden diese Engpsse jedoch nicht sein. Preise haben eine Signalfunktion. Sind Preise fr Gter oder Dienstleistungen hoch, wird investiert und es werden Kapazitten ausgebaut. Allerdings dauert es, bis neue Fabriken in Betrieb gehen oder neue Schiffe Fahrt aufnehmen knnen.

Aus Angst vor Lieferstopps alles vor der eigenen Haustr herstellen zu wollen, wre dagegen falsch. Das treibt die Kosten ber Gebhr und steigert das Risiko, weil alles an einem Standort konzentriert ist. Vielmehr sind eine vielfltige, geografisch breit gestreute Lieferantenbasis und die Bereitschaft, grere Lager vorzu halten, die richtigen Schlussfolgerungen aus der Corona-Krise.

Ausgestanden ist die Pandemie jedoch auch konomisch nicht. Die Delta-Variante verbreitet Unsicherheit – das Gift schlechthin fr die wirtschaftliche Entwicklung. Andererseits hat die Welt im Umgang mit Corona ziemlich viel dazugelernt. Impfungen bekmpfen das Virus wirkungsvoll, und gerade die Industrie wei, wie man Ansteckungsgefahren minimiert. Das ist Anlass zur Hoffnung.