Die Wissenschaft wird nicht gehört, wenn sie nicht ins Skizze passt – B.Z. Hauptstadt von Deutschland



Gunnar Schupelius

Der Corona-Schnelltest wird nicht freigegeben, man darf ihn nicht selbst anwenden, weil das als unsicher gilt. Eine Studie der Charité beweist das Gegenteil, wird aber von der Politik ignoriert, kritisiert Gunnar Schupelius.

Es heißt ja immer, die Politiker würden auf den Rat der Wissenschaftler hören und danach ihre Corona-Verbote gestalten. Aber stimmt das auch? Oder werden nur die Ergebnisse der Wissenschaft berücksichtigt, die den regierenden Politikern in den Kram passen? Das folgende Beispiel nährt diesen Verdacht.

Es geht um den Corona-Schnelltest, der nicht frei in der Apotheke erhältlich ist, weil man ihn selbst nicht anwenden darf. Die „Testung“ dürfe nur „durch examiniertes medizinisches Personal mit mindestens dreijähriger Ausbildung vorgenommen werden“, gab Gesundheitssenatorin Kalayci (SPD) im Dezember bekannt.

Als Begründung wurde angegeben, dass beim Schnelltest ein Stäbchen sehr tief in die Nase oder in den Rachen eingeführt werden müsse. Dabei würden Würge- und Juckreize ausgelöst, die zu einer unsachgemäßen Anwendung des Test führen könnten.

Zur gleichen Zeit, nämlich am 10. Dezember, hatte die Charité aber schon gemeldet, dass der „Selbstabstrich (…) durchaus „eine verlässliche Alternative zu einem professionellen Abstrich“ sein kann.

Zu diesem Ergebnis kam ein Team unter der Leitung von Prof. Frank Mockenhaupt, kommissarischer Direktor des Instituts für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit der Charité und Dr. Claudia Denkinger, Leiterin der Sektion Klinische Tropenmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg.

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Wie kamen sie zu diesem Ergebnis? Im Rahmen einer Studie ließen sie die Testpersonen einen Abstrich in der vorderen Nase vornehmen. Diese Methode erwies sich als fast ebenso zuverlässig wie die herkömmliche. Fazit der Forscher: „Die Studie zeigt uns, dass die angeleiteten Selbstabstriche für den untersuchten Antigentest nicht schlechter als professionelle Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum sind.“

Mit diesem Ergebnis wären die Einwände der Gesundheitssenatorin eigentlich hinfällig gewesen. Doch das Ergebnis wurde gar nicht zur Kenntnis genommen. Man ging darüber hinweg. Man sagte nicht: Lasst uns diese einfache Methode zur Serienreife bringen, produzieren und dann freigeben!

Warum wäre das so wichtig gewesen? Weil jedes Mittel willkommen sein muss, um Ansteckungen zu vermeiden.

Wäre es nicht sinnvoll, wenn sich Konzertbesucher testen könnten, Kinder vor der Schule, Lehrer, Friseure oder die junge Familie vor dem Besuch der Großeltern? Würde das nicht für große Erleichterung und mehr Sicherheit sorgen?

Und noch ein Argument spricht für die Freigabe des Schnelltests: Er kostet am Markt nur vier bis acht Euro, in den Testzentren muss man aber im Schnitt 50 Euro dafür hinlegen. Wer die ganze Familie testen lassen will, der lässt es lieber bleiben, weil er keine 200 oder 300 Euro übrig hat, so sieht es doch aus!

Der Schnelltest ist ein wirksames Mittel gegen die Verbreitung des Virus. Er wird trotz der neuen Erkenntnisse nicht freigegeben. So ist es jetzt in der Corona-Zeit: Die Wissenschaftler werden mal gehört und mal auch nicht. Wer von ihnen zum Beispiel den Lockdown befürwortet, der hat das Ohr der Politik, wer es nicht tut, wird ignoriert. Diese Politik hat mit Vernunft und Sachverstand sehr wenig zu tun.

Hat Gunnar Schupelius recht? Rufen Sie an: 030/2591 73153, oder Mail: gunnar.schupelius@axelspringer.de

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