Die Fraurn welcher Pommernherzöge fädelten Hochzeiten ein

Aus Liebe haben die bis zum Tode Bogislaw XIV. (1580 bis 1637) regierenden Frauen und Männer des pommerschen Greifengeschlechts selten geheiratet. Die Interessen der Dynastie standen im Vordergrund.

Aber zumindest die beiden letzten Hochzeiten erfolgten aufgrund tiefer Gefühle. Anna (1590 bis 1660), die Schwester Bogislaw XIV., ehelichte 1619 Herzog Ernst von Croÿ (1588 bis 1620). Dass dieser Katholik war in der damaligen Zeit ein großes Hindernis. Die Brüder Annas stimmten letztlich trotz der „widerwärtigen Religion“ des Bräutigams der Hochzeit zu, weil sie dem Glück ihrer Schwester nicht im Wege stehen wollten. Im Ehevertrag wurde eine protestantische Erziehung der Nachkommen festgelegt.

Aus dieser Ehe stammt Ernst Bogislaw von Croÿ (1620 bis 1694). Diesem blieb aber nach geltendem Recht als Sohn einer pommerschen Prinzessin und nicht eines Prinzen/Herzogs die Übernahme der Herrschaft am Land am Meer versagt. Alle männlichen Mitglieder des Greifengeschlechts besaßen dagegen sogar das Anrecht auf ein eigenes Herrschaftsgebiet.

Letzte Greifenhochzeit 1628

Annas Eheschließung war indes nicht letzte Hochzeit einer Greifin, wie Ute Essegem in ihrem Vortrag über Heiratsbeziehungen des pommerschen Herzoghauses auf der Jahrestagung der Historischen Kommission für Pommern informierte. Thema der Zusammenkunft in der Greifswalder Jacobikirche war aus Anlass des 400. Geburtstages der bedeutenden Barockdichterin Sibylla Schwarz die Geschichte des Landes am Meer im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts.

Bogislaw XIV. am Greifswalder Rubenowdenkmal
Quelle: Eckhard Oberdörfer

Die Witwe des letzten Herzogs von Pommern-Wolgast, Philipp Julius (1584 bis 1625), Agnes von Brandenburg (1584–1629), wählte ihren zweiten Gatten selbst und holte dafür nicht die üblicherweise erwartete Zustimmung ihres einzigen noch lebenden Bruders, Bogislaw XIV., ein. Sie heiratete am 9. September 1628 in Barth Herzog Franz Karl von Sachsen-Lauenburg (1594–1660). Dieser war zehn Jahre jünger als seine Braut und damals General des Kaisers. Er hatte offenbar bei den Damen Glück. Franz Karl zeugte mehrere uneheliche Kinder, die erste und seine beiden folgenden Ehen blieben indes kinderlos.

Frauen als Strippenzieher

Überhaupt war die Rolle der Frauen, also der Mütter, Tanten, Schwestern, im Greifengeschlecht weit größer, als gemeinhin angenommen wird, auch wenn nur Männer im Land am Meer regieren durften. Das machte Ute Essegem eindrucksvoll deutlich. Ihre Netzwerke, ihre Beziehungen waren von großer Bedeutung, sie sondierten, ob eine Werbung aussichtsreich war. „Sie waren die eigentlichen Strippenzieher.“

Agnes von Brandenburg, hier als 12-Jährige, suchte ihren zweiten Mann selbst aus
Quelle: Gemälde Andreas Riehl d. J.

Sie hätten die ersten, inoffiziellen Gespräche geführt und Schreiben verfasst. Ohne Ansprechpartner in den umworbenen Familien sei es schwierig gewesen, eine Ehe anzubahnen. Eine wichtige Rolle im Netzwerk besaßen die Fürstinnen von Anhalt. Dabei spielte Maria von Sachsen (1515 bis 1583), die Frau Herzogs Philipp I. (1515 bis 1560) eine sehr wichtige Rolle. Sie hatte zehn Kinder, sechs heirateten.

Franz-Carl von Sachsen-Lauenburg
Quelle: unbekannt

Konkret ging es Essegem um die beiden letzten Greifen-Generationen. Laut der Historikerin gab es in der genannten Zeit mindestens 24 Eheschließungsprojekte, von den 16 erfolgreich waren. „Dabei war es schwerer, „Schwestern und Töchter zu verheiraten“, so Essegem. Brandenburg und Sachsen waren wichtige Netzwerkpartner. Möglichst wollten die Greifen Ehen mit Partnern, die ihnen wenigstens im Rang gleichkamen.

Witwensitze wurden gebaut

Ein wichtiger Punkt in den Eheverträgen war die finanzielle Absicherung, also die Einkünfte, die ihnen zustanden, ihre Residenzen. Es war das „Goldene Zeitalter Pommerns“, ein Begriff, den zuerst polnische Historiker prägten. In den Jahrzehnten vor und nach 1600 entstanden prachtvolle Schlossbauten, die Hofhaltung war glanzvoll. Pommern war ein Herzogtum der Kultur. Auch die Witwen profitierten vom Neu- und Umbauboom, der zu einem erheblichen Teil über Schulden finanziert wurde. Laut Prof. Rafał Makała wurden am Beginn des 17. Jahrhunderts über 50 Schlösser und Paläste errichtet, die zu einem großen Teil nicht mehr vorhanden sind.

Hedwig Sophie, die Witwe Ernst Ludwigs
Quelle: Wikipedia

Das „Goldene Zeitalter“ endete nach der Franzburger Kapitulation von 1627. Bogislaw XIV. musste sich gegenüber dem Kaiser zur außerordentlich teuren Aufnahme von Truppen des Reichsoberhauptes verpflichten. Das Land am Meer wurde ein Schauplatz des 1618 ausgebrochenen Dreißigjährigen Krieges.

Pudagla war prächtiger Bau der Renaissance

Für die meisten Frauen war zuvor gesorgt worden. Der Witwe des 1592 verstorbenen Herzogs Ernst Ludwig, Sophie Hedwig (1561 bis 1631) gehörten die Schlösser Loitz (nicht mehr vorhanden) und Ludwigsburg. Für die schon erwähnte Witwe Philipp I., Maria von Sachsen, entstand in Pudagla ein „Renaissancebau sächsischer Prägung“ wie neuere Forschungen ergeben haben. Die einstige Schönheit ist heute nur noch zu erahnen.

Von Eckhard Oberdörfer

Berlin Ernachrichten