„Dating-Trend“: Dies Revival des Badeanstalt-Boy-Boyfriends

Gesellschaft „Dating-Trend“

Das Revival des Bad-Boy-Boyfriends

Stand: 06:31 Uhr

Unerwartetes Paar: Travis Barker und Kourtney Kardashian

Quelle: Getty Images for MTV/ViacomCBS/Jeff Kravitz/MTV VMAs 2021

Wie so oft haben den Trend die Kardashians gestartet: Seit zwei der Schwestern bleiche Rockertypen daten, gilt der klassische „Bad Boy“ im Internet als Schmachtobjekt. Bitte, was? Ein Erklärungsversuch.

Oh, die Wirkungskraft der Kardashians. Zwei der berühmten TV-Schwestern bandelten jüngst mit bleichen Rockertypen an: Kourtney mit Blink-182-Schlagzeuger Travis Barker, Kim angeblich mit Comedian Pete Davidson. Und schon prophezeien internationale Gossip-Magazine einen neuen „Dating-Trend“ – der angeblich zum bleichen, tätowierten, in der Gesamterscheinung dem lasterhaften Leben zugeneigt wirkenden Bad Boy geht.

Äh, was? Die Idee eines „Dating-Trends“ an sich ist natürlich absurd. In Zeiten der Dauerselbstinszenierung in den sozialen Netzwerken dann aber auch irgendwie wieder nicht. Mal abgesehen davon: War der Bad-Boy-Boyfriend als mysteriöser, aber auch leidbringender Datingchaot nicht mit der Trennung von Kate Moss und Pete Doherty im Nirwana der Celebrity-Beziehungen der Nullerjahre verschwunden?

Kate Moss und Pete Doherty 2005 bei einem Festival

Kate Moss und Pete Doherty 2005 bei einem Festival

Quelle: FilmMagic/Paul Underhill

Wohl nicht: Die Liebeswahl der Kardashian-Schwestern entzündet aktuell jedenfalls ein Meme-Feuerwerk, wie man es zuletzt erlebt hat, als … na ja, als – ach, die Kardashians haben schon so oft das Internet „gebreakt“, da kommt doch keiner mehr mit.

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Im Großen und Ganzen dreht sich die digitale Kommentierung der Paarungen Kardashian/Barker und Kardashian/Davidson um eine uralte Grundaufstellung der heteronormativen Anziehungskraft. Gepflegte, bürgerliche, behütete Schönheit trifft auf etwas ungehobelten, leicht bis intensiv toxischen Typen, der so dünn und blass ist, dass man ihm eigentlich erst mal was Vernünftiges zu essen vorsetzen möchte. Das Umfeld ist entsetzt, die Liebe der beiden aber so stark, dass das verliebte Paar fürderhin in schwarzen Skinnyjeans, Nietengürteln und dunklen Ray-Ban-Wayfarer-Brillen vor neugierigen Paparazzi flüchtet (oder posiert? Who knows).

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Eigentlich war es abzusehen, dass die Ära der niedlichen Instagram-Husbands, die bereitwillig jede Grünkohl-Smoothie-Diät mitmachen und sich beim Partnerworkout filmen lassen, im Dating-Game nicht ewig andauern würde. Und nun ist eben eine punkigere Couple-Ästhetik gefragt, die Internet-User hemmungslos schmachten lässt. Die Seele, die vorm selbstzerstörerischen Exzess gerettet werden will, der herzensgute Mann, der sich hinter der verlotterten Fassade versteckt: Das war schon immer der Appeal des Bad Boys. Nicht von ungefähr wird ein Song aktuell besonders häufig zitiert – Avril Lavigne sang nämlich schon 2002 in ihrem Hit „Sk8er Boi“ davon, die Augen bloß nicht vor dem „man“, der der „Sk8er Boi“ sein könne, zu verschließen.

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Überhaupt sind es wieder einmal die Nullerjahre, die den Bad-Boy-Trend inspirieren. Alles very „Y2K“, wie man im TikTok-Jargon sagt. Damals war ja noch nicht so viel mit #Selfcare und #Selflove, also ist die Liste der popkulturellen Vorbilder lang. Da wären etwa Ryan Atwood und Marissa Cooper aus „OC, California“. Chuck Bass und Blair Waldorf aus „Gossip Girl“. Rory Gilmore und Jess aus „Gilmore Girls“. Irgendwie auch Bridget Jones und Daniel Cleaver.

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In den allgemeinen, digitalen Retro-Wahnsinn der Plus-minus-Millennial-Generationen passt die neuerliche Faszination für vermeintliche Bad Boys perfekt. Es ist so ähnlich wie mit dem Faible für Nullerjahre-Serien – die haben weder inhaltlich noch optisch mit der Gegenwart zu tun, und gerade deshalb werden sie ohne Ende gebingt.

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Quelle: Getty Images for dcp/Rich Fury

Auch beim Bad-Boy-Boyfriend-Revival geht es um modisch-ästhetische Nostalgie. Um das Versprechen einer Optik, die mit der Realität nichts zu tun haben muss. Um ein Gedankenspiel, das an Prominenten wundervoll durchgespielt werden kann: Was wäre, wenn – man den „lost boy“ von einst zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre später wiedertreffen würde? Stünde da die Erfüllung aller Chick-Lit-Träume oder einfach eine weitere toxische Beziehung?

Und während man so vor sich hinträumt, wird eben weiter durch Instagram gescrollt und die Lieblings-Punk-Pop-Playlist auf Spotify laut aufgedreht (stilecht wär eigentlich ein verschrammelter Discman). Es ist ja so: Wie viel „Bad Boy“ nun wirklich in jedem Typen steckt, der mit Vampir-Teint durch die Straßen wandelt, kann man nie wissen. Das ist der von allen feministischen Liebesgrundsätzen befreite Witz. Travis Barker zumindest scheint ziemlich romantisch veranlagt zu sein – er machte seiner Kourtney in einem Meer aus roten Rosen einen Heiratsantrag. Herzallerliebst!

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