Dating-Seite zum Besten von Impfgegner: Die ungeimpfte Liebe

Die Menschen wollen lieben. Selbst die, die hassen. Und ja, auch die, die Impfen hassen. Im Jetzt suchen sie, wie so viele, im Internet nach Liebe. Nein, nicht auf Tinder, sondern auf Impffrei:Love. Die Seite sieht fast wie Facebook aus, aber baut sich so langsam auf, wie Kölner ihren Dom aufbauten, gefühlt 600 Jahre. Auf dieser Liebessucherinsel liest man als Erstes ein Gedicht, das so anfängt: „Siehst Du draußen Freudenlichter,/ Teil des liebend’ Lebens Stück?/ Liebe jener Menschgesichter,/impffrei ihrer Gene Glück?“ Wie der Poet heißt, der das geschrieben hat, ist unklar. Denn, klar, die Geister von Hölderlin, Celan und Lasker-Schüler müssten den Unbekannten sonst heimsuchen und ihn foltern. Das denkt man nach zwei Tagen auf dieser Liebesseite, im Bett mit schwerem Kopf und Übelkeit und großen, grausamen Phantasien. Aber von Anfang an.

Am Anfang ist es aufregend und beinah komisch. Die Nutzungsbedingungen zum Beispiel gehen so: „Du trägst die volle Verantwortung und Haftung, solltest du bei einem persönlichen Treffen mit einem anderen Benutzer der Plattform zu Schaden kommen.“ Was heißt hier Schaden? Das fragt man leise seinen Laptop: Meinen die das Virus? Der Laptop schweigt. Und die Neugierde steigt – dann die Verwandlung, doch nicht wie Gregor Samsa in einen Käfer, sondern in eine ganz gewöhnliche Alice. Ein Foto, das das Gesicht verdeckt, ein paar Angaben (Wohnort Berlin, Größe, Alter und Figur) – und fertig.