Darüber hinaus Tinder den Mörder finden – und die große Liebe

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Über Tinder den Mörder finden – und die große Liebe

Aktualisiert: 08.11.2021, 06:00

| Lesedauer: 4 Minuten

Tinder bietet jetzt auch ein Rollenspiel: die Mördersuche, „Swipe Night“ genannt

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Seit Corona hat sich das Dating-Verhalten verändert. Gemeinsame Interessen werden wichtiger.

Berlin. Alles beginnt mit einem mysteriösen Mordfall. Die ausgelassene Stimmung auf der Poolparty täuscht, das Geschehen nimmt eine tragische Wende, als plötzlich einer der Partygäste ermordet wird. Doch wer hat Benjy umgebracht? Bei der Online-Datingplattform Tinder tauchen die Nutzer virtuell in ein Rollenspiel ein und müssen, wie bei dem Gesellschaftsspiel Cluedo, herausfinden, wer der Mörder ist. Auf diese Weise sollen sie schneller einen Draht zueinander – und im besten Fall auch die Liebe – finden.

„Damit will Tinder das Online-Dating an die Bedürfnisse der Nutzer anpassen und es ihnen einfacher machen, miteinander ins Gespräch zu kommen“, erklärte Pressesprecherin Anja Timme kürzlich bei der Vorstellung der neuen „Swipe Night“ in Berlin. Am 7. November startete die neue Funktion mit dem ersten Video. Jeden Sonntag im November soll ein neuer Teil in der App hochgeladen werden, der dann den ganzen Monat nach Belieben angeschaut werden kann.

Gemeinsame Interessen rücken dadurch bei Tinder in den Vordergrund

Das lässt sich auch als Versuch des Unternehmens deuten, weg vom Image einer reinen Sex-Plattform zu kommen und den Ruf aufzubessern. Bei den Nutzern scheint die neue Funktion gut anzukommen. „Viele haben das Vorurteil, dass Tinder sehr oberflächlich ist, aber das stimmt gar nicht“, findet Tindernutzerin Anna Schäckel aus Prenzlauer Berg. Ganz grundsätzlich habe sich die Partnersuche durch Corona stark verändert, berichtet die 25-Jährige. „Man lernt sich vor allem länger und besser kennen, bevor man mit jemanden Körperkontakt hat“, erklärt sie. Auch gemeinsame Interessen würden viel mehr in den Vordergrund rücken.

Morgenpost von Christine Richter

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Zuvor ging es bei Tinder primär um das Visuelle. Bei der Dating-App werden den Nutzern nach und nach Fotos von anderen Mitgliedern angezeigt. Spricht einen das Profil nicht an, kann man mit dem Finger auf dem Smartphone nach links wischen – in Tinder-Sprache swipen genannt – und das Bild verschwindet. Findet man den Menschen auf dem Foto hingegen gut, kann man nach rechts swipen. Wischt diese Person ebenfalls nach rechts, hat man einen sogenannten Match und kann miteinander schreiben. Mit der neuen Funktion sollen jetzt die Äußerlichkeiten in den Hintergrund rücken und die Tinder-Nutzer erst mal allein über die Kommunikation entscheiden, ob sie jemanden gut finden oder nicht.

Per Wischen bei Tinder entscheiden, wie die Geschichte weitergeht

Das Swipen ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Swipe Night. Aus der Ich-Perspektive gefilmt, stehen die Tinder-Mitglieder dabei selbst im Mittelpunkt des Geschehens: Per Swipe entscheiden sie selbst, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Jede dieser Entscheidungen führt sie auf einen anderen Weg und zu einzigartigen Hinweisen oder Räumen, die sie untersuchen müssen, um der Lösung des Falles näher zu kommen. Am Ende werden sie aufgefordert, einen Verdächtigen zu wählen. Danach geht das Chatten los. Im sogenannten „Fast Chat“ können die Swipe Night-Teilnehmer anschließend über Szenen sprechen, die sie gesehen haben, Hinweise analysieren, die sie nicht gesehen haben, und das Rätsel gemeinsam lösen. Erst wenn beide Seiten Interesse haben und sich gegenseitig matchen, können sie ihre Profile und Fotos ansehen.

„Die Weiterentwicklung der Swipe Night und die zahlreichen Erfahrungen und Features auf Tinder erlauben es Mitgliedern, mit Spaß und ohne Druck in Kontakt zu treten“, sagt Kyle Miller, Produktmanager bei Tinder. „Wir haben uns für das Mystery-Genre entschieden, weil es ein super Eisbrecher ist und eine einzigartige Gelegenheit für Mitglieder, ihr Match kennenzulernen, indem sie gemeinsam das Verbrechen lösen“, fügt er hinzu.

Tinder verzeichnet 50 Millionen Nutzer am Tag

Das Interesse an True Crime Stories sei auf Tinder so groß wie nie zuvor: Profilbeschreibungen, die dieses Genre erwähnen, hätten seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent zugenommen. Zudem würden mehr als 30.000 Tinder-Mitglieder in ihren Profilen nach ihrem „Partner in Crime“ suchen. Monatlich verzeichnet die Dating-Plattform rund 50 Millionen aktive Nutzer. An guten Tagen würden alle zusammen mehr als drei Milliarden mal swipen.

Anna Schäckel hat ihren Freund über Tinder kennengelernt und ist seitdem glücklich vergeben. Heute nutzt sie die App auch, um neue Freundschaften zu schließen. „Gerade, wenn man in einer fremden Stadt ist, kann einem Tinder helfen, Anschluss zu finden“, sagt sie.

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