Dankfest robuster Wirtschaft Coronakrise gemeistert – Vorarlberger News

Lauterach Natürlich habe man einen Gang zurückgeschaltet, als absehbar war, dass sich die Coronafolgen empfindlich auf die Gemeindefinanzen auswirken würden, aber „der Rechnungsabschluss hat unter dem Strich gezeigt, dass wir im Vorjahr insgesamt recht gut durch die Pandemie gekommen sind“, so Bürgermeister Elmar Rhomberg zum über Erwarten ausfallenen guten Rechnungsabschluss.

Deutlich unter Schätzungen

„Wir standen vor der Herausforderung“, so das Gemeindeoberhaupt, „nicht abschätzen zu können, wie sich die die zurückgefahrene Wirtschaft, der eingebrochene Konsum, und die Dauer der Pandemie auf die Einnahmensituation auswirken werden. Grobe Schätzungen gingen von einem Einnahmenausfall in der Größenordnung von 1,8 bis 2,5 Millionen Euro aus. Am Ende war es zum Glück deutlich weniger“.

Rhomberg listet dafür wichtige Eckdaten auf: Bei der wichtigsten Einnahme, den Ertragsanteilen des Bundes, wurde zwar ein Minus von 1,1 Millionen Euro verzeichnet, fast zehn Prozent unter dem Voranschlag, aber bei der Kommunalsteuer wurde sogar ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Etat verbucht.

Weniger krisenanfällig

„Das zeigt einmal mehr, wie stark und weniger krisenanfällig die ortsansässigen Betriebe sind“, stellt Rhomberg der Lauteracher Wirtschaft ein sehr gutes Zeugnis aus. Es habe zwar auch in Lauterach Sparten gegeben, die schmerzhafte Einbußen zu beklagen hatten, „aber die Zahl der Betriebe – etwa Gebrüder Weiss, die i+R Gruppe oder Pfanner, um nur einige wenige Beispiele zu nennen – die in der Pandemie Zuwächse schafften, hat dies mehr als kompensiert, so dass auch das Kommunalsteueraufkommen insgesamt über dem Voranschlag lag.“

Hilfreich für einen positiven Abschluss waren auch Stützmaßnahmen wie die Landes-Soforthilfe (263.000 Euro) oder das Kommunalinvestitionsfördergesetz des Bundes (548.000 Euro) sowie die komplette Auszahlung der Landesförderung für den Radwegebau (919.000 Euro). Diese wird normalerweise auf mehrere Jahres-Teilbeträge aufgeteilt, wegen der Coronakrise für 2020 vorgezogen und schneller überwiesen.

Manches nur aufgeschoben

So erfreulich die Jahresrechnung ausgefallen sei, dürfe nicht außeracht gelassen werden, dass dafür auch die Verschiebung von Ausgaben verantwortlich ist, warnt Rhomberg davor, die Pandemiefolgen als erledigt anzusehen.

„Wir haben das Budget 2020 ausgabenseitig ganz genau angeschaut und alle Möglichkeiten ausgelotet, Ausgaben teilweise zu verschieben.“ Als Beispiel dafür nennt Rhomberg die Zurückhaltung bei den Ermessensausgaben, insbesondere bei nicht unbedingt notwendigen Instandhaltungsarbeiten. Zudem wurde die Fertigstellung laufender Vorhaben (Sportanlage, Vereinshaus) so verzögert, dass der Schuldendienst 2020 noch nicht schlagend wurde.

Trotzdem viel investiert

Trotz dieser Maßnahmen hat die Gemeinde im Vorjahr kräftig investiert: über 2,6 Millionen Euro für die Sportanlage Bruno Pezzey oder knapp 2,3 Millionen Euro in das Vereinshaus. Weitere rund 2,5 Millionen Euro für die Sportanlage wurden in das Budget 2021 verschoben. Fast zwei Millionen Euro gab die Gemeinde für Straßen und Radwege aus. Z. B. für den Ausbau der Karl-Höll-Straße und in der Scheibenstraße, Niederhof, Dammstraße, Radunterführung Kaltenbrunnen. Zu den verschobenen Projekten zählt auch die Erweiterung des Sozialzentrums. Anfang 2020 hat Bürgermeister Rhomberg im Gespräch mit der VN-Heimat die Präsentation der Eingabepläne „möglichst noch vor den Wahlen im März“ avisiert, so dass ein Baustart noch im Vorjahr möglich gewesen wäre. Doch die Pandemie verschob die Wahlen und auch den Baustart beim Sozialzentrum.

Zwar trägt bei diesem Vorhaben die SeneCura den Löwenanteil der Investition, auf die Gemeinde entfallen jedoch noch rund 3,5 Millionen Euro für die Grundstücksbereitstellung, Teilabbruch und Adaptierung der Alten Säge und Beteiligung an der Tiefgaragen-Erweiterung.

Auf Herausforderungen reagieren

Angesichts dieser Perspektiven warnt Rhomberg: „Der finanzielle Spielraum der Gemeinde wird angesichts des erst einsetzenden Schuldendienstes für die Sportanlage und das Vereinshaus sowie der anstehenden Projekte (Säge, Tiefgarage, Kindergarten, Haltestelle West usw.) bei gleichzeitig zu erwartenden Einnahmenrückgängen noch weiter abnehmen. Es sind also Gegensteuerungsmaßnahmen erforderlich, zumal wir in absehbarer Zeit mit unseren Partnern i+R-Gruppe und Raiba das Großprojekt der Neugestaltung am Alten Markt angehen werden und dafür beträchtliche finanzielle Mittel in die Hand nehmen müssen.“ STP

Auch beim Vereinshaus wurde ein Teil der Investitionen von 2020 auf 2021 verzögert. Man darf sich aber nicht täuschen, die Ausgaben sind nur aufgeschoben. stp/3

Späterer Baustart auch bei der Erweiterung des Sozialzentrums. Links im Bild die Alte Säge, die teilweise abgerissen wird. Der Großteil davon wird aber adaptiert.