Dankeschön Rambo Bottas sind Hamilton und Mercedes wieder top – Vorarlberger Nachrichtensendung

Budapest Wenn man kein Glück hat, kommt Pech auch noch dazu. Bei Red Bull Racing wird man nach dem Grand Prix von Ungarn als großer Verlierer ohne eigene Schuld nicht lachen können. Denn eine Fehleinschätzung von Valtteri Bottas nach einem schlechten Start war folgenschwer: Der finnische Mercedes-Pilot verbremste sich in Kurve eins auf nasser Piste, schoss Lando Norris (McLaren) ab, der wiederum Max Verstappen touchierte, und dazu räumte der Finne auch noch Sergio Pérez (beide Red Bull) ab. Der Mexikaner und der junge Engländer (erste Nullnummer dieser Saison) schieden wie Bottas aus, Verstappen schleppte einen demolierten RB 16B noch auf Rang zehn und zu einem Punkt.

Bottas räumte seinen Fehler ungeschönt ein, sein Chef Toto Wolff erklärte: „Eine unglückliche Aktion, ein kleiner Fehler mit einem für die Gegner katastrophalen Ausgang.“ Bottas erhielt von den Kommissären eine Straf-Rückversetzung im nächsten Rennen um fünf Plätze, was Red-Bull-Chef Christian Horner sarkastisch kommentierte: „Die holt er in Spa in zwei Runden wieder auf.“

Beide WM-Führungen gingen aber wieder an Mercedes: Weil Lewis Hamilton nach kuriosem Rennverlauf als völlig erschöpfter Dritter 15 Punkte einfuhr, während Verstappen nur einen anschreiben konnte. Damit geht der Titelverteidiger mit sechs Punkten Vorsprung in die Sommerpause bis Ende August, in der Teamwertung haben die schwarzen Silberpfeile zehn Zähler Guthaben auf die Bullen.

Nach der Kollision in Kurve eins, in der auch noch Lance Stroll (Aston Martin) Charles Leclerc (Ferrari) aus dem Rennen boxte und ebenfalls in Spa fünf Plätze zurückmuss, brach Rennleiter Michael Masi ab. Da es inzwischen auftrocknete, fuhr das gesamte restliche Feld nach der neuen Einführungsrunde in die Box, um auf Trockenpneus umzustecken – außer Pole-Mann Lewis Hamilton, der das Startchaos unbeschadet überstanden hatte und sich plötzlich allein am Start wiederfand – eines der kuriosesten Bilder der jüngeren Formel-1-Geschichte. Mit dem Reifenwechsel eine Runde später war Hamilton 14. und Letzter. Er kam aber in seiner Aufholjagd bis auf Rang drei vor, am Ende nur noch 2,7 Sekunden hinter Überraschungssieger Esteban Ocon und 0,9 hinter Sebastian Vettel. Letzterem droht aber nachträglich die Disqualifikation. Der Grund: Zu wenig Treibstoff im Tank. Vorgeschrieben ist ein Liter nachdem das Auto abgestellt ist.

Alpine-Pilot Ocon war wie Aston Martins deutscher Star Nutznießer vom Startchaos und fuhr unter Druck des vierfachen Ex-Champions 65 Runden lang ein meisterliches Rennen zum ersten Sieg im 78. Start. Auch dank Teamkollege Fernando Alonso, der als Vierter Hamilton rundenlang in dessen Drang nach vorn bremste. Am Ende feierten die beiden gemeinsam: Und dass Alonso, eben 40 geworden, einem erfolgreichen Teamkollegen derart gratulierte, ist auch neu. „Das war echtes Teamwork. Ich bin so froh für die Jungs. Und ich danke allen, die mir vertrauten“, meine Ocon, der vor zwei Monaten eine Vertragsverlängerung bis 2024 erhalten hatte. Vettel war nicht zum Jubeln zu Mute: „Ich war schneller als Ocon, aber er machte keinen Fehler. Wenn du so nah dran bist, willst du den Sieg.“ Hamilton anerkannte die Leistung des Franzosen: „Er zeigte, was er kann. Ich gab alles, was ich hatte.“

Mit der schnellsten Rennrunde im letzten Umlauf nach zusätzlichem Reifenwechsel holte Pierre Gasly für sich und AlphaTauri als Sechster den Zusatzpunkt, den er damit Hamilton noch entriss. Trotz Rang sieben für Yuki Tsunoda wurde das zweite Bullenteam von den Mittelfeld-Rivalen Alpine und Aston Martin in der WM überholt. Und die geprügelten Nachzügler von Williams punkteten mit Latifi (Achter) und Russell (Neunter) gleich doppelt – jeweils die ersten Top-10-Plätze für beide.

„Was für ein Moment, es fühlt sich einfach nur gut an. Allez les Bleus.“