Credit Suisse – Die Skandale hinter sich lassen – Wirtschaft

Die Credit Suisse will an diesem Donnerstag im Anschluss an die Veröffentlichung der Quartalsbilanz auf einem Investorentag die Ergebnisse ihrer Strategie-Überprüfung präsentieren. Experten erwarten organisatorische und auch einzelne weitere personelle Änderungen. Einen massiven Umbau erachten sie dagegen als unwahrscheinlich.

Als Verwaltungsratspräsident Horta-Osorio, zuvor Chef der in Schieflage geratenen britischen Lloyds, Ende April zum Credit-Suisse-Präsidenten gewählt wurde, sprach er Klartext: Eine Krise wie bei dem Schweizer Institut habe er bisher noch nicht erlebt. Er bezog sich dabei auf den Kollaps des Hedgefonds Archegos Capital, der die zweitgrößte Schweizer Bank fünf Milliarden Franken kostete, und die Notabwicklung von zusammen mit Greensill geführten Fonds. Hinzu kam die Beschattung eines früheren Spitzenmanagers, die Konzernchef Tidjane Thiam im Vorjahr den Job gekostet hatte, sowie ein Bestechungs- und Betrugsverfahren in Zusammenhang mit Krediten an Mosambik. “Vor uns liegen schwierige Zeiten und harte Entscheidungen”, sagte er damals.

Über einen besonderen Ausschuss nimmt Horta-Osorio für einen Verwaltungsratspräsidenten ungewöhnlich viel Einfluss auf das Tagesgeschäft. Im Zentrum steht für ihn ein Kulturwandel und die Stärkung des Risikomanagements. Die Aktionäre wählten seitdem zwei Risiko-Experten in den Verwaltungsrat. Die Geschäftsleitung soll Anfang 2022 mit zwei Spitzenmanagern von Goldman Sachs verstärkt werden. Die Anleger haben sich bisher nicht überzeugen lassen: Während der europäische Bankenindex seit Ende Februar ein Viertel an Wert gewann, rutschte der Kurs der CS-Aktie um ein Viertel ab.

Am Donnerstag folgt die Präsentation der Strategie auf einer Anleger-Konferenz in London. Die Veröffentlichung kommt früher als erwartet, die Bank hatte bisher eine Zeit bis Ende des Jahres genannt. An der Ausrichtung auf die Vermögensverwaltung für Millionäre und Milliardäre dürfte sich nichts ändern. Zur Schärfung der Strategie hatten Analysten von Bank of America aber eine Aufspaltung des Instituts ins Spiel gebracht. In der jetzigen Aufstellung sei das Ziel einer Eigenkapitalrendite von zehn Prozent nicht zu schaffen, mit einem Ausstieg aus dem Investmentbanking dagegen schon. Andere Experten und auch Firmeninsider halten einen solchen Schritt für unwahrscheinlich; zu wichtig sei ein eigenes Investmentbanking insbesondere für die superreichen Kunden. Auch ein Verkauf von Teilbereichen wie dem Asset Management, größere Zukäufe oder auch eine Fusion mit einem anderen Institut sind für die Bank offenbar kein Thema. “Die Credit Suisse muss zuerst ihre Hausaufgaben machen, bevor sie irgend etwas anderes in Erwägung ziehen kann”, sagte ein Insider.

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