Corona-Pause: Gen St. Pauli brennt kein Licht – Unterhaltung

“Es wird sehr wahrscheinlich einige Zeit dauern, bis wir wieder an die Ausgangslage vor der Schließung anknüpfen werden”, so Schulz. Doch das lohne sich: “Clubs sind Kultur – sie gehören zu der Identität der Stadt und sind für unser kulturelles und speziell das Nachtleben in Hamburg und besonders auf dem Kiez prägend.”

Das Herz von St. Pauli werde irgendwann wieder so schlagen wie vor Corona, ist der “Kiez-Bürgermeister” Falko Droßmann sicher, wenn auch vielleicht mit anderen Betreibern. “Der Kiez ist ja deshalb so besonders, weil er Nischen bietet. Ich habe die Pornokinos, die Prostitution, ich habe die kleinen Bars und die schicken Superclubs. Das ist es ja, was den Kiez ausmacht.”

Das Rotlicht dürfte auf der sündigsten Meile der Welt so ziemlich als letztes wieder angehen. “Es ist schwierig für die Frauen”, sagt Gastronom Andy vom Sexy Aufstand Reeperbahn, der die Damen aus der Herbertstraße vertritt, die dort sonst leicht bekleidet in Schaufenstern auf Kunden warten. “Ich befürchte, dass viele in die Illegalität abgetaucht sind.” Ein Hygienekonzept hatten auch sie bereits vorgelegt und ab September wieder Freier empfangen, als es kurz danach in den zweiten Lockdown ging.

Die DJs Raven und Mac Chaotix halten trotz Sturmböen und Regens im Pavillon der Kiez-Mahnwache auf dem Spielbudenplatz die Stellung. “Die Lichter gehen aus” steht hinter ihnen auf einem Bauzaun. Sie konnten schon seit einem Jahr nicht mehr auflegen. Von sofortiger Öffnung halten sie allerdings nichts. “Die sollten lieber einmal einen konsequenten Lockdown für vier Wochen machen, damit wir damit durch sind”, sagt Raven.

Quartiersmanagerin Staron geht davon aus, dass die Pandemie noch für viele weitere Monate den Kiez bestimmen wird. “Das echte Partymachen dürfen wir wahrscheinlich erst in 2022 wieder erwarten. Das ist die Realität.” Auch das Pleiten-Ausmaß sei noch gar nicht abzusehen. “Die echten Herausforderungen beginnen erst, wenn die Pandemie vorbei ist. Dann wird sich zeigen, wie es weitergeht und wer wieder auf die Beine kommt. Aber wie ich die Unternehmerschaft auf St. Pauli kenne, sind die alle ganz schön findig.”

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