Corona-News: Solange bis zu 500 Tote täglich im Rahmen Lockerungen, warnt Lauterbach

Panorama Corona-Pandemie

Lauterbach warnt, bei Lockerungen würden bis zu 500 Menschen täglich sterben

Stand: 01:31 Uhr

„Lauterbach hat sich zu Wieler bekannt, aber die Frage ist, wie lange das noch hält“

Gesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Chef Lothar Wieler äußerten sich wieder einmal zur Corona-Lage in Deutschland. Kaja Klapsa, Redakteurin aus der WELT-Politikredaktion, hat die gemeinsame Pressekonferenz gesehen und analysiert nun das Verhältnis von Lauterbach und Wieler.

Gesundheitsminister Lauterbach hält die Lockerungen in Israel für falsch – und präsentiert eine Schätzung, welche Folgen der israelische Kurs in Deutschland hätte. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft erwartet in den kommenden Wochen keine Überlastung der Kliniken mehr. Mehr im Liveticker.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht davon aus, dass bei Öffnungen wie in Israel aktuell bis zu 500 Menschen pro Tag in Deutschland sterben könnten. „Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Menschen derzeit mit der Strategie Israels sterben würden, wenn wir ähnlich vorgehen würden“, erklärte der Minister im Interview mit dem ZDF-„Heute Journal“ am Dienstagabend. „Dann kommt man auf eine Quote von vielleicht 400, 500 Menschen, die in Deutschland sterben würden, wenn wir diese Öffnungen so machen würden. Bei uns sterben aber derzeit zwischen 100 und 150 Menschen am Tag – immer noch zu viel.“ Daher sei die Vorgehensweise in Israel diesbezüglich für Deutschland nicht vorbildlich und sie sei auch in Israel sehr umstritten.

Trotz Rekordzahlen bei den Schwerkranken in der Omikron-Welle entfällt in Israel weitgehend die Pflicht für den sogenannten „Grünen Pass“. Seit Montag müssen die Menschen den Nachweis für Geimpfte und Genesene nur noch bei großen Veranstaltungen wie Feiern und Hochzeiten vorzeigen. Der Besuch von Restaurants, Kinos und Hotels ist nun auch ohne „Grünen Pass“ und ohne negativen Corona-Test möglich. Auch bei der Ausreise aus Israel müssen Ungeimpfte keinen negativen Corona-Test mehr vorlegen.

Lauterbach erklärte weiter, er erwarte, dass auch Bayern die Impfpflicht für Pflege- und Klinikpersonal umsetzen werde. „Wir können das Land Bayern kaum zwingen, sich an die Absprachen zu halten. Ich hoffe, dass es auch nicht notwendig ist. Ich hoffe, dass hier Herr Söder noch einlenkt,“ sagte der Gesundheitsminister. „Das Gesetz ist klar, das Gesetz gilt. Das kann auch nicht so einfach zurückgedreht werden. Aber tatsächlich ist es möglich, wenn jemand wie Herr Söder es macht, das Gesetz einfach nicht umzusetzen.“ Er hoffe aber, man könne hier „mit der ganz normalen Vernunft“ arbeiten.

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Alle Entwicklungen im Liveticker:

00:55 Uhr – Krankenhausgesellschaft erwartet keine Überlastung der Kliniken

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft geht davon aus, dass die Kliniken die Omikron-Welle gut bewältigen. „Ich rechne aktuell für die kommenden Wochen nicht mehr mit einer Überlastung des deutschen Gesundheitswesens“, sagte Vorstandschef Gerald Gaß der „Bild“-Zeitung (Mittwoch). Die aktuellen Corona-Maßnahmen hätten „deutlich dazu beigetragen, dass die befürchtete Welle weniger hoch war als befürchtet“. Sie sollten gelten bis zum Höhepunkt der Omikron-Welle, den die Bundesregierung in ein bis zwei Wochen erwartet. Danach könne die Politik „ohne Zweifel schrittweise Lockerungen für die kommenden Wochen ins Auge fassen“.

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Andere Experten halten eine Überlastung des Gesundheitssystems dagegen weiter für möglich. So hatte die Infektiologin Jana Schroeder (Stiftung Mathias-Spital, Rheine) kürzlich auf noch etwa drei Millionen ungeimpfte ältere Menschen verwiesen, die schwer erkranken könnten.

00:13 Uhr – WHO: 16 Milliarden Dollar für ärmere Länder nötig

Für die Unterstützung der ärmeren Länder im Kampf gegen Corona werden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dieses Jahr noch 16 Milliarden Dollar (rund 14 Milliarden Euro) gebraucht. Auf diese Größe bezifferte die WHO in Genf die Lücke im Etat zur Versorgung solcher Staaten mit Impfstoffen, Tests und Medikamenten. Das Geld soll in ein von den Vereinten Nationen gestartetes Programm fließen. Damit könnten ein Pool mit 600 Millionen Impfdosen geschaffen, 700 Millionen Tests gekauft sowie die Behandlung von 120 Millionen Patienten ermöglicht werden, hieß es.

00:01 Uhr – Einzelhandelsfirmen verlangen sofortiges Ende von 2G

Mehrere Chefs großer deutscher Einzelhandelskonzerne haben in Gesprächen mit der „Bild“-Zeitung (Mittwoch) ein sofortiges Ende von 2G-Zugangsbeschränkungen im Handel gefordert. Wie die „Bild“ berichtete, reicht die Liste der 2G-Gegner vom Schuhhändler Deichmann über die Parfümerie-Filialkette Douglas und Intersport bis zum Bekleidungshersteller s.Oliver oder dem Mode-Filialisten Kik.

Deichmann-Chef Heinrich Deichmann sagte der Zeitung, die Zeit sei gekommen, die 2G-Regel im arg gebeutelten Handel endlich zu beenden. Der wirtschaftliche Schaden für den Handel sei massiv. Auch der Chef von S.Oliver, Claus-Dietrich Lahrs, kritisierte demnach: „Die 2G-Zugangsbeschränkungen sind wirkungslos und bedrohen die Existenz der Einzelhändler. Eine Fortsetzung dieser Politik bedeutet das Aus für Handel und lebendige Innenstädte.“ Die Geschäftsführerin der Douglas Group, Tina Müller, sagte laut „Bild“: „Die Zeit ist gekommen, Deutschland wieder in die Normalität zurückzuführen.“

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KiK-Chef Patrick Zahn forderte „endlich eine faktenbasierte Politik“. Zu diesen Fakten gehöre, dass Einkaufen mit Maske in Nordrhein-Westfalen genauso sicher wie in Hessen oder Niedersachsen sei. Der Chef der Sport-Kette Intersport, Alexander von Preen, sagte: „Wir brauchen endlich mutige, einheitliche Entscheidungen, die neben Pandemie-Eindämmung auch Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Kundinnen und Kunden sowie den unzähligen Familienbetrieben im Handel mit einbeziehen“. Die Firmen benötigten einheitliche Corona-Regeln für alle.

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