Buchkritik zu »Sapiens« – Spektrum jener Wissenschaft

Yuval Noah Hararis Bücher verkaufen sich weltweit millionenfach. Zu seinem Buch »Eine kurze Geschichte der Menschheit« veröffentlicht der israelische Historiker mit den Illustratoren David Vandermeulen und Daniel Casanave die Graphic Novel »Sapiens – der Aufstieg«. Die Comicadaptation ist der erste Teil von insgesamt vier Bänden.

Erzählungen sind alles

Warum beherrscht Homo sapiens die Welt, obwohl er den Tieren und anderen Arten der Gattung Homo in mancher Hinsicht unterlegen war? Harari reist im Sachcomic mit seiner Nichte Zoe um die Welt, um Antworten zu finden. Dabei stoßen sie auf viele weitere Themen: Was ist die eigentliche Natur des Menschen − ist er friedfertiger Sammler oder kaltblütiger Eroberer − und welche Schuld trägt er am Aussterben der Megafauna?

Entscheidend ist Harari zufolge das Erzählen. Durch die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten konnten Geschichten erfunden werden. Geschichten und Mythen vereinten Gruppen, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. So konnte sich Homo sapiens vermutlich gegen andere Menschenarten verbünden und Tiere gezielter jagen.

Im Buch ist die Theorie der »großen Erzählung« Programm. Der Historiker stellt sich gleich am Anfang selbst als Figur vor, in gewissem Sinn fungiert er als Erzähler der Geschichte der Menschheit. Auch das Eingangszitat stammt aus seiner Feder. Neben Harari gibt es viele weitere Erzählfiguren. Das sind unter anderem Wissenschaftler wie ein Archäologe und eine Anthropologin sowie eine Superheldin namens »Doctor Fiction«.

Erzählungen innerhalb der Erzählung ziehen sich durch die Novel, so taucht ein Comic mit dem Titel »Prehistorik Bill« darin auf. Ein weiterer Held der Geschichte ist Homo sapiens selbst. In wiederkehrenden Episoden treten Stellvertreter der Gattung als Stars in der Gameshow »Evolution« auf. Durch dieses große Spektakel büßt das Werk leider an Sachlichkeit und Verständlichkeit ein.

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Um seine Theorie über den Aufstieg des Homo sapiens zu untermauern, zieht Harari ganz unterschiedliche Beispiele heran: Unter anderem die Automarke Peugeot, Ereignisse der Weltgeschichte oder das Finanzwesen. Die Herleitung erscheint leider wenig einleuchtend. Selbst Naturwissenschaften wie die Physik oder Biologie seien letztlich nur Geschichten, so der Autor. Selbst wenn das Erzählen sicherlich ein existenzieller Bestandteil des Menschseins ist, macht es sich Harari an dieser Stelle zu einfach.

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