Buchkritik zu »Fabelhafte Flüssigkeiten« – Spektrum dieser Wissenschaft

Halt, stopp!, möchte man dem Autor zurufen. Aber es ist zu spät: »Flüssiger Kot ist ekelerregend, vor allem wenn man hineintritt, möglichst noch barfuß, und spürt, wie er einem zwischen den Zehen quatscht.« Das Bild ist im Kopf. Mark Miodownik führt aus, dass uns Flüssigkeiten meist anwidern, wenn sie aus unserem Körper austreten. Vielleicht weil sie eine Gefahr für die Gesundheit signalisieren. Nur wenig später schildert er deren »raffinierte Struktur«, die diese Art der Viskoelastizität erschafft und so das Gefühl zwischen den Zehen erzeugt. Doch neben diesem extremen Beispiel formt der Autor an vielen Stellen auch schöne Bilder, die im Kopf haften.

Erdnussbutter als Flüssigkeit?!

In seinem Buch stellt Miodownik Flüssigkeiten vor, die ihm auf einer transatlantischen Flugreise von London nach San Francisco begegnen: kraftvolles Kerosin, berauschender Wein, flüssiges Glas und seltsame Flüssigseife –Stoffe, die sich irgendwo zwischen fest und gasförmig befinden. Er zählt Sachen wie Erdnussbutter, Honig, Pesto, Zahnpasta und Malt Whiskey auf, die ihm die Sicherheitskontrolleure am Flughafen regelmäßig aus dem Handgepäck nehmen. Am liebsten würde er in diesen Situationen verzweifelt rufen, aber »Erdnussbutter ist doch keine Flüssigkeit!«, obwohl er es besser weiß.

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum – Die Woche, 47/2021

Die Welt der flüssigen Chemie erscheint bei ihm so einfach, wie es die hingekritzelten Strukturformeln von Alkohol suggerieren, als ihm der Flugservice eine Flasche Chardonnay serviert. »Trink mich«, ruft der Wein ihm zu, »für kurze Zeit sieht die Welt dann ganz anders aus.« Und so zeigt Miodownik anhand der polaren Effekte, warum sich Alkohol so gut mit dem ebenfalls polaren Wasser verdünnen lässt. Doch diese alkoholische Verführung hat Folgen, denn die Substanz hat auch eine ölähnliche Seite, durch die ein guter Tropfen an den Schutzvorrichtungen der Zellmembranen vorbeischlüpft und direkt vom Blut ins Gehirn dringt.