Brumml löscht im Stollen zum letzten Mal dasjenige Licht – Vorarlberger Nachrichtensendung

Langen Die Gemütslage bei den vielen Stammgästen, die dieser Tage noch einmal in das Traditionswirtshaus Stollen hoch über Langen kommen, ist zwiespältig. Zum einen gönnen sie der langjährigen Wirtin Brunhilde Haller – die alle liebevoll nur Brumml nennen – den wohlverdienten Ruhestand, zum andern bedauern sie es, dass ihnen künftig im Stollen eine Persönlichkeit fehlen wird, „die mit ihrer Familie das dörfliche Gasthausleben wie kaum eine andere Person geprägt hat“, wie es Bürgermeister Josef Kirchmann anlässlich der bevorstehenden Pensionierung trefflich formuliert.

Fast drei Jahrzehnte hat die Bald-Pensionistin im Wirtshaus echte Gastlichkeit gelebt. Unterstützt von ihren Schwestern Bernadette und Regina sowie ihrem Partner Hans hat sie den Stollen zu einem Ort der Geselligkeit gemacht, denn „hier wurde nicht nur eingekehrt, sondern eine ganz besondere Gastlichkeit gepflegt. Es wurde gesungen und musiziert – dazu kamen die Stammgäste von weither und haben zum Teil ihre Instrumente mitgebracht, um Wirtshausatmosphäre wie in der guten alten Zeit zu schaffen“ erzählt der Gemeindechef.

Gelernt hat Brunhilde Haller ihr Handwerk im Langener Gasthaus Hirschen, wo sie mit 14 Jahren eine Gastro-Ausbildung begann. Vor 29 Jahren trat sie im Gasthaus Stollen die Nachfolge ihres Onkels Gebhard an, der das heutige Gasthaus 1980 errichtet hat. „Gewirtet“, so Kirchmann, „wurde hier schon früher – das Wirtshaus war damals noch Teil eines Mehrzweckhauses mit Landwirtschaft und Gastronomie, so wie es in früherer Zeit eben üblich war. Vor gut 40 Jahren wurden dann Landwirtschaft und Wirtshaus getrennt.“ Der Gasthausname Stollen – samt dem Bergbauwappen – kommt nicht von ungefähr, denn ab 1838 gab es in dieser Gegend Kohlebergbau. Um 1878 soll das Bergwerk den Höhepunkt seiner Geschichte erlebt haben. Über 300 Arbeiter waren damals beschäftigt, bei einer Stollenlänge von rund 6000 Metern, wie der Chronist, der damalige Langener Schulleiter Josef Gunz, in seinen Aufzeichnungen berichtet. In der Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kohleabbau 1945 noch einmal aktiviert, ehe drei Jahre später Wassereinbrüche zur endgültigen Stilllegung führten.

„Der Stollen“ ist heute nicht mehr Treffpunkt der „Kumpels unter Tag“, vielmehr kehren hier Biker und Wanderer ein, die das Gasthaus längst zu einem beliebten Treffpunkt erkoren haben, denn dort dürfen die Gäste noch singen, jassen, tanzen. Für Letzteres steht ein feiner Saal zur Verfügung – für Familienfeiern wie Hochzeiten, die immer wieder in der größeren der beiden neben dem Gasthaus stehenden Kapellen gefeiert werden.

Beide Fatima-Kapellen geht auf Gelübde zurück: Bregenzer Bürger haben Ende des Zweiten Weltkriegs versprochen, diese Kapelle zu errichten, wenn die Stadt von schweren Zerstörungen verschont bliebe. Das trat zwar nicht ganz ein, die Bombenangriffe blieben aber auf wenige Objekte beschränkt, so dass das Gelübde erfüllt wurde. 1952 konnte die Kapelle geweiht werden. Sie steht unmittelbar neben der kleineren, 1934 errichteten Kapelle, die auf das Gelübde eines Langener Landwirts zurückgeht. Er hatte zunächst die Errichtung eines Feldkreuzes gelobt und schließlich – um dieses zu schützen – darüber eine kleine Kapelle errichten lassen.

Wenn Brumml nun zum letzten Mal das Licht im Stollen löscht, ist das zum Glück nicht das Ende der Wirtschaft. „Soweit ich informiert bin, plant der Pächter keine großen Veränderungen und will den Stollen im Sinne von Brumml weiterführen“, sieht Bürgermeister Kirchmann optimistisch in die Zukunft. Ab November werden die Räumlichkeiten einem Update unterzogen, und Ende des Jahres soll wieder gewirtet werden. Gleichzeitig übersiedelt die langjährige Wirtin ins Dachgeschoss, um ihre bisherige Wohnung für den Pächter frei zu machen. STP

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