Brauchtum: Keine Warme Jahreszeit-Wiesn – Kommission gegen Vorverlegung – Unterhaltung

Organisatorische Gründe gegen Vorverlegung

Gegen eine Verlegung der Wiesn sprachen vor allem organisatorische Gründe. Viele Vorbereitungen haben langen Vorlauf. Unter anderem läuft seit Jahreswechsel die Bewerbung von Wirten sowie Schaustellern und Marktkaufleuten, die auch auf anderen Volksfesten unterwegs sind und möglicherweise umplanen müssten. Zudem nehmen sich viele Helfer wie Bedienungen extra frei, um auf der Wiesn zu arbeiten – und könnten nicht so einfach zu einem anderen Termin kommen. Eine Verlegung berge somit die Gefahr, dass Arbeitskräfte fehlten.

Baumgärtner begrüßte die Entscheidung nun vor allem auch mit Blick auf die Tradition. “Eine Verlegung entzaubert die Wiesn und nimmt ihr den Charakter. Das ist nicht wie ein Popkonzert, das man einfach verschieben kann”, sagte Baumgärtner. “Die Wiesn ist ein historisches Ereignis und solche historischen Ereignisse zu verschieben tu’ ich mich persönlich schwer.”

Dennoch habe man die Verlegung geprüft, da viele ernsthaft den Wunsch dazu geäußert hätten. Beschicker hatten damit etwa die Hoffnung verbunden, dass die Wiesn überhaupt stattfinden kann.

Die Debatte lief seit einiger Zeit, weil im Sommer niedrigere Infektionszahlen zu erwarten sind. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte die Idee ins Spiel gebracht. Er sagte Anfang Januar, im Sommer sei die Corona-Lage deutlich entspannter. “Es ist deshalb ernsthaft zu überlegen, Feste mit größeren Menschenansammlungen mehr in den Sommer zu verlegen”, sagte er damals der “Bild”-Zeitung.

Baumgärtner hatte sich zuletzt zurückhaltend geäußert, auch die Wiesnwirte zeigten sich skeptisch. Deren Sprecher Peter Inselkammer sagte Anfang Januar, er würde ein Oktoberfest zum geplanten Termin vom 17. September bis 3. Oktober bevorzugen, mit Zutritt nur für Geimpfte und Genesene. “Schon von der Tradition her – es heißt ja Oktoberfest.”

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