Bevölkerungsforschung: Corona hat erhebliche Effekte gen dies Geburtenverhalten – Unterhaltung

“Corona hat erhebliche Effekte auf das Geburtenverhalten”, sagt Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. “Das macht viel mit den Menschen.” Zwei Mechanismen spielen hier gegeneinander: Das eine ist die wirtschaftliche Situation – sie ist in der Pandemie für viele unsicherer geworden, “das hatte einen negativen Effekt auf die Zahl der Geburten, vor allem in den USA und Südeuropa”. Auf der anderen Seite stehe “der Cocooning-Effekt”, sagt Bujard. “In der Pandemie ist die Bedeutung von Familie und bei einigen der Wunsch nach Kindern gestiegen.”

In anderen Ländern, die von Corona schwerer betroffen waren als Deutschland, gab es ab Dezember einen starken Einbruch bei den Geburtenzahlen, erklärt Soziologie-Professorin Michaela Kreyenfeld von der Berliner Hertie School – hierzulande nicht. “Für Deutschland springen die Werte rauf und runter”, sagt Kreyenfeld. “Wenn man ehrlich ist, muss man sagen: man sieht noch nichts.” Stabile ökonomische Bedingungen seien die wichtigste Voraussetzung für einen Kinderwunsch. “Vor diesem Hintergrund kann ich mir nicht vorstellen, dass es einen Babyboom gibt.”

Kita-Ausbau und Elterngeld wirkt

Die Zahlen für 2020 zeigen Bujard zufolge “keinen Trend, sondern eine Seitwärtsbewegung”. Insgesamt ist die Zahl der Geburten pro Frau seit etwa 2005 gestiegen, von 1,3 auf 1,5 Kinder. Ein Grund sei die bessere Familienpolitik, sagt Bujard. Vor allem der Ausbau der Kitas und das Elterngeld hätten dazu geführt, dass sich mehr Frauen – auch mit höherem Bildungsabschluss – für ein Kind entscheiden. Mütter, die 2020 ein Kind bekamen, waren im Durchschnitt 31,6 Jahre und die Väter 34,6 Jahre alt. Beim erstgeborenen Kind betrug das durchschnittliche Alter der Eltern 30,2 beziehungsweise 33,2 Jahre.

Das Destatis-Team für demografische Analysen hat sich einzelne Bevölkerungsgruppen genauer angesehen. Erstmals seit 2008 bekamen Frauen im Osten 2020 weniger Babys als im Westen: Die Geburtenziffer lag bei 1,55 Kinder je Frau im Westen und bei 1,54 Kinder im Osten. Und während bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit die Geburtenziffer konstant blieb, sank sie bei den Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit von 2,06 auf 2,00 Kinder je Frau.

Mehr Kinder pro Frau

Tendenziell werden Frauen in Zukunft eher mehr Kinder bekommen, wie aus der Analyse hervorgeht. Die “endgültige Kinderzahl” war bei Frauen der 1960er Jahrgänge kontinuierlich gesunken. Beim Jahrgang 1968 hatte sie mit 1,49 Kindern je Frau die Talsohle erreicht. “Die in den 1970er Jahren geborenen Frauen werden durchschnittlich mehr Kinder zur Welt bringen”, sagt das Demografie-Team. “Die endgültige Kinderzahl wird voraussichtlich spätestens beim Jahrgang 1979 die Marke von 1,6 Kindern je Frau überschreiten.”

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