Bautzen: Wo Wandschmiererei mit Freude gesehen sind

Wilthen. Auf dem Skateplatz in Wilthen liegt der Geruch von frischer Farbe in der Luft. Neben Schablonen liegen Dutzende Graffitidosen auf dem Asphalt. Elina Hanouneh nimmt eine der Dosen. Die 21-Jährige ist bei ihrem Freund in Wilthen zu Besuch und freut sich, etwas Künstlerisches zu machen. „Das Angebot klang cool, und ich wollte es gern mal ausprobieren“, erzählt sie. Elina Hanouneh ist öfter an dem Skateplatz, der vom Neukircher Verein Valtenbergwichtel betreut wird.

Diese haben zum Graffitiworkshop in den Herbstferien eingeladen. „Zwei Tage lang können die Jugendlichen kreativ werden und nebenbei den Skateplatz verschönern“, erzählt Julia Wentrzak von den Valtenbergwichteln. Die Jugendarbeiter bieten regelmäßig solche Workshops an, aber auf dem Skateplatz in Wilthen waren sie seit über zwei Jahren nicht mehr.

Die Jugendlichen haben freie Hand beim Sprühen

Manchmal sprechen die Valtenbergwichtel auch ein Unternehmen oder eine Kindertagesstätte wie beispielsweise in Wehrsdorf an, um Flächen zu verschönern. „Die Jugendlichen suchen selbst die Motive heraus, und mit einem Anleiter zusammen setzen sie das dann um“, erklärt Wentrzak. Sie erinnert sich noch an ein größeres Projekt am Pavillon in Neukirch oder am Bahnhof in Taubenheim.

Am Mittwoch dieser Woche können die Teilnehmer frei drauf los sprühen, ohne Vorlage. Gegen Nachmittag füllt sich der Platz. Leonie und Sarah aus Wilthen kommen auf Wentrzaks Kollegen Heiner Schröder zu. „Habt ihr schon mal gesprüht?“, fragt der Sozialarbeiter, der mit seiner Kollegin seit drei Jahren als mobiler Jugendarbeiter im ständigen Austausch mit den Jugendlichen ist. Schröder gibt den Mädchen Handschuhe und zeigt ihnen eine Fläche auf der Halfpipe, die besprüht werden könnte.

Zwei neue Elemente sind in Planung

Erst heute hat Lars Michalsky die Halfpipe weiß übersprüht, um Platz für frische Motive zu machen. Der Dresdner ist Experte, was Skateparks und die Arbeit mit Graffiti angeht, und unterstützt die Valtenbergwichtel. Leonie und Sarah entschließen sich nach kurzem Überlegen, einen Emoji zu sprühen, so wie man ihn vom Chatten kennt.

Die Elfjährige und die Zwölfjährige sind fast jeden Tag auf dem Skateplatz, um mit den Inlinern zu fahren. Auch Kinder mit Rollern sind gekommen, um über die Rampen zu fahren und die Kunstwerke zu betrachten. Sie freuen sich über die Geister, passend zu Halloween, die eine Ecke der Halfpipe schmücken. Die meisten Kinder kommen aus Wilthen, aber auch Mountainbiker aus anderen Orten fänden oft den Weg über Wald-Trails zum Skatepark, beobachtet Julia Wentrzak.

Sie und ihr Kollege freuen sich, dass die Anlage so gut genutzt wird. Im April wurde eine neue Rampe gebaut, durch Corona leider ohne die Jugendlichen. Beim Bau weiterer neuer Elemente sind sie dann hoffentlich wieder dabei. „Wir haben zwei neue Elemente geplant, eine Quarterpipe und eine weitere Box zum Springen“, zählt Schröder auf. Er findet es wichtig, vor Ort zu sein. „Die Kinder übernehmen auch gern Verantwortung und helfen mit“, freut sich der Sozialarbeiter.

Ein bunter Zaun gegen die Mopedfahrer

Schröder zeigt Leonie und Sarah, wie sie den Kreis für den Emoji perfekt rund sprühen. Nach dem zweiten Versuch klappt es, sodass sie das Gesicht nun ausfüllen und mit Herzen versehen können. Elina und ihr Freund sind währenddessen an alten Lichtmasten zu Gange. Diese liegen am Rand des Platzes und würden sich gut als eine Art Zaun machen, denkt Schröder bereits weiter. Sie würden Mopedfahrer davon abhalten, den Platz zu befahren, der dafür nicht gedacht ist.

„Man könnte das Ganze auch mit Holz unterlegen und eine Bank daraus machen“, überlegt Schröder. Eine weitere Baustelle am Skatepark ist der Unterstand, bei dem das Dach aus Plexiglas schon seit mehreren Jahren beschädigt ist und stellenweise ganz fehlt. Die Valtenbergwichtel würden sich freuen, wenn jemand Holz oder Material für das Dach abgeben würde. Es wäre eine gute Sache für die Jugendlichen, damit ihr Skatepark weiter so gut besucht wird.

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