Basler Pauluskirche startet als Kulturkirche in ein neues Kapitel



Umnutzung

Alt denkt neu: Die Basler Pauluskirche startet als Kulturkirche in ein neues Kapitel

Nach einer längeren Umbauphase feiert die Pauluskirche am Wochenende vom 24. und 25. September die grosse Eröffnung als Kulturkirche.

Die Basler Pauluskirche ist ab sofort eine Kulturkirche.

Benjamin Wieland

Früher diente der Kiesplatz vor der Basler Pauluskirche meist nur als Zugang zur Kirche und blieb, abgesehen von gelegentlichen Feiern, ungenutzt. Mit bunten Stühlen, Tischen und Sonnenschirmen steht heute ein kleines Café auf dem Platz. Das Kaffeemobil wird vom Unternehmen Mitte betrieben und ist seit Ende April dieses Jahres fester Bestandteil der neuen «Kulturkirche Paulus».

Dies, nachdem sich das Pilotprojekt im Spätsommer 2021 bewährt hatte und eine Abmachung mit vier Anwohnerparteien getroffen werden konnte. Aufgrund des befürchteten Lärms des Cafés, hatten sie Einsprache gegen die Baueingabe des Projekts erhoben. Insbesondere die Quartier-Bevölkerung schätze das Café sehr, erzählt David Rossel, Leiter der Kulturkirche Paulus: «Solche Angebote gibt es im Quartier nicht viele. Wir sind hier stark verankert und wollen auch als Treffpunkt dienen.»

Das Kaffeemobil kommt bei der Quartier-Bevölkerung gut an.

Kenneth Nars

Die Bauarbeiten dauerten mehrere Monate

Als bekannt wurde, dass die Pauluskirche ab 2021, aufgrund des schwindenden Interesses an kirchlichen Veranstaltungen, nicht mehr als klassische Kirche weitergeführt wird, hat der neu gegründete Verein Kulturkirche Paulus den Betrieb übernommen. Das Ziel: Die Kirche soll weiterhin ein öffentlicher Ort sein und zu einem «Ort der Kultur, des Feierns und des Verweilens» umgenutzt werden.

Ein Ort des Feierns ist die Pauluskirche schon länger und soll es auch bleiben. Auch künftig können Veranstaltungen wie Hochzeiten, Jubiläumsfeiern oder Matur- und sonstige Abschlussfeiern stattfinden. David Rossel, Chorleiter und Vizedirigent der Männerstimmen Basel, konnte als Leiter der Kulturkirche gewonnen werden.

Nicht nur auf dem Vorplatz, sondern auch im Inneren der Kirche wurde gebaut. Zwei Jahre lang wurde die Kirche in den Sommermonaten modernisiert und dafür im vergangenen Sommer auch für die Öffentlichkeit geschlossen. Unter anderem wurden eine Bühne eingebaut, die Böden renoviert oder eine Licht- und Tonanlage installiert. «Auch die Sicht von den Eporen aus auf die Bühne konnten wir durch bauliche Massnahmen verbessern», erklärt David Rossel.

Die Kulturkirche will künftig insbesondere Chören ein Zuhause bieten – aber auch für Feste und Anlässe offen sein. «Wir haben uns bewusst ‹Kulturkirche› und nicht ‹Chorkirche› genannt, weil wir uns nicht auf etwas festlegen wollten.» Was kulturelle Angebote angehe, wolle sich die Kulturkirche so breit wie möglich aufstellen, um möglichst viele Menschen anzusprechen – nicht nur gläubige.

Restfinanzierung noch nicht abschliessend geklärt

900’000 Franken hat sich der Verein die Umgestaltung kosten lassen. 800’000 Franken konnten durch Stiftungen, Firmen und Privatpersonen finanziert werden, 100’000 fehlen noch. Abschliessend geklärt ist die Restfinanzierung, mit der unter anderem der Servicebereich verbessert oder ein behindertengerechter Zugang ermöglicht werden soll, noch nicht.

«Wir haben noch einige hängige Anfragen bei Stiftungen und auch Crowdfunding könnte bald ein Thema sein», erläutert Rossel weiter. Im Laufe der Umgestaltungsarbeiten seien immer wieder Mehrkosten entstanden, die zu Beginn der Planung noch nicht absehbar gewesen waren. Und auch die massiv gestiegenen Preise für Rohstoffe hätten einen Einfluss auf das Budget gehabt.

Grosse Wiedereröffnung am 24. und 25. September

Am Wochenende vom 24. und 25. September feiert die Pauluskirche als Kulturkirche grosse Wiedereröffnung. Sechs Chorkonzerte bilden den Auftakt am Samstagnachmittag und werden am Sonntag fortgesetzt. Am Samstagabend richten Regierungsrat Kaspar Sutter, Grossratspräsidentin Jo Vergeat und Ständerätin Eva Herzog einige Worte an die Anwesenden.