Airlines öffnen aufgehübschte Lounges gleichfalls zum Besten von Economy-Passagiere

Französisches Design und besseres Essen – mit aufgehübschten Flughafenlounges wollen die Airlines ihre gut zahlenden Passagiere nach der Corona-Krise wieder an die Airports locken. Auch Fluggäste mit Economy-Class-Tickets sollen Zutritt zu den VIP-Angeboten bekommen – gegen einen gewissen Aufschlag auf den Flugpreis.

„Es gibt immer mehr solcher Angebote, mit denen Fluglinien neue Einnahmequellen erschließen – vorausgesetzt die Lounges sind nicht ausgelastet“, sagt Michael Di Corpo, Chef der IT-Firma IEG, die Software für die Verwaltung von Flughafenlounges anbietet. Den Premiumkunden, mit denen die Airlines besonders hohe Margen erzielen, soll in den Lounges noch mehr geboten werden, damit sie nach der Lockerung der Beschränkungen wieder Lust aufs Reisen bekommen.

Auf Airlines lastet hoher finanzieller Druck

Air France weihte zum Beispiel im August in einem der Hauptterminals am Pariser Flughafen Charles de Gaulle eine 3000 Quadratmeter große Lounge im französischen Luxusdesign ein – mit viel Leder, Lavastein und Terrazzo-Böden. In einer Detox-Area werden Kräutertees zur Entspannung gereicht. Air Canada und Emirates aus Dubai wollen hochwertiges Essen und einen verbesserten Service in ihren Lounges anbieten. „Nächstes Jahr wird sich vieles ums Essen drehen und um die Art und Weise, wie wir unsere Kunden bedienen, um das Erlebnis zu verbessern“, beschreibt Mats Winter von Air Canada die Strategie. Damit will die Fluglinie nicht nur Geschäftskunden anlocken, sondern auch Touristinnen und Touristen, die zunehmend solche Premiumangebote annehmen und dafür auch bezahlen.

Auch andere Airlines öffnen die ursprünglich als Oase für gestresste Manager und andere gut zahlende Fluggäste gedachten Lounges mittlerweile für Reisende aus dem hinteren Teil des Flugzeugs. Denn der Druck, neue Einnahmequellen zu finden, ist im Zuge der schlimmsten Krise in der Branchengeschichte deutlich gewachsen. Immer mehr Reisende seien auch bereit, Geld in die Hand zu nehmen, um etwa in Corona-Zeiten große Menschenmassen zu vermeiden, erläutert Di Corpo von IEG. Reisende verbrächten insgesamt mehr Zeit an den Flughäfen, etwa wegen der langwierigen Überprüfung von Impfnachweisen oder der Tatsache, dass viele Airlines weniger Direktflüge anböten. Die Aufenthaltszeiten bei den Zwischenlandungen kann man entspannter in einer Lounge verbringen als im Wartebereich am Gate.

Wohlhabende Kunden weiter bevorzugt behandelt

Qatar Airways hat etwa einen günstigeren „Business Lite“-Tarif eingeführt, bei dem der Zugang zur Lounge extra gebucht werden kann. Auch American Airlines, die im September die erste ihrer Lounges für Premiumkunden auf Langstreckenflügen wieder öffnete, bietet erstmals einen kostenpflichtigen Zugang für Economy-Passagiere an. Damit ziele die US-Fluglinie vor allem auf Menschen ab, die zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten und Familientreffen reisten, erläuterte eine Sprecherin.

Der Demokratisierung der Lounges sind jedoch Grenzen gesetzt: Das Letzte, was sich die Airlines leisten können, ist die Verdrängung von Firmenkunden oder wohlhabenden Privatkunden. Diese kurbeln die Gewinne besonders auf Strecken wie der Atlantiküberquerung an. Deshalb erhalten die Economy-Passagiere von American Airlines für 150 Dollar zwar einen Tagespass für die Flagship-Lounge. Ein besonderer Bereich mit exklusivem Service und einem privaten Restaurant bleibt für sie aber gesperrt.

Einige Lounges von Lufthansa dauerhaft geschlossen

United Airlines will seine Polaris-Lounges weiterhin nur für Premiumkunden öffnen. Und Air Canada stellte sein Angebot, drei Maple Leaf Lounges für zahlende Economy-Passagiere und Kunden anderer Fluggesellschaften zu öffnen, in Vancouver wieder ein. „Wir wollen nicht, dass dies letztendlich zu Kapazitätsproblemen führt“, erläutert Manager Winter.

Bei der Lufthansa sieht die Lage etwas anders aus: Ihre Lounges in Bremen, Dresden, Köln/Bonn, Leipzig und Nürnberg sowie Neu-Delhi werden einer Sprecherin zufolge dauerhaft geschlossen bleiben. Grund dafür seien die Marktgegebenheiten an den einzelnen Standorten und deren Veränderungen. „Dort wo es möglich ist, machen wir unseren Fluggästen grundsätzlich Alternativangebote.“ In Frankfurt und München seien aber die Erste-Klasse-Lounges seit Montag wieder in Betrieb. Zu weiteren Veränderungen habe der Konzern bislang keine Entscheidung getroffen.

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