30 Jahre Stadtgeschichte mit dieser Kamera dokumentiert – Boxberg

Boxberg. „Die Bilder seinen scheen geworden!“ Mit diesem Satz pflegte der Boxberger Fotograf Alfred Schöfer seine bild-abholende Kundschaft zu begrüßen. Vor 100 Jahren wurde er geboren, vor 25 Jahren starb er. Über drei Jahrzehnte lang dokumentierte er mit der Kamera Feste und Ereignisse im Umpfertal.

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In Troppnau geboren

Alfred Schöfer war kein gebürtiger Boxberger, und so weiß man kaum etwas über seine ersten Jahrzehnte. Am 12. März 1921 erblickte er in Troppau (heute Tschechien) das Licht der Welt. Seine Eltern waren Karl Schöfer und Ehefrau Marie, geborene Hanel, beide Jahrgang 1883. Vater Karl starb, da war der Sohn gerade vier Jahre alt. Über Alfreds Kindheit, Schulzeit und Kriegserlebnisse ist nichts bekannt.

Trauung von Marianne und Alfred Schöfer 1969. © Stadtarchiv Boxberg

Das überwiegend deutschsprachige Troppau durchlebte eine sehr wechselhafte Zeit. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehörte es zu Böhmen in der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Deutsch-Österreich beanspruchte das österreichische Schlesien, aber die tschechoslowakische Armee besetzte die Stadt kampflos. Von 1938 bis 1945 gehörte Troppau zum Sudentenland. Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchteten die deutschen Bewohner oder wurden vertrieben.

Am 22. Mai 1946 melden sich Alfred Schöfer und Mutter Marie als Flüchtlinge/Heimatvertriebene in Wölchingen an. Als Beruf ist im Anmeldebuch „Landwirt/-in“ vermerkt. Für neun Jahre wohnen sie hier. Schöfer arbeitet zunächst als Knecht, später als Brückenbauer in Würzburg. Nach Kursen in Heidelberg macht er sein Steckenpferd, das Fotografieren, zum Beruf. Er wird für die kommenden Jahrzehnte der Fotograf im Boxberger Raum.

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Wie kein anderer hält er hier, besonders in den Jahren von 1951 bis 1980, Feste, Ereignisse und Alltagsarbeiten in Bild und Film fest. Dank ihm gibt es Foto-Dokumente von Glocken-Einholungen, Erntedank-Umzügen, Vereinsjubiläen. Das jährliche Fastnachtstreiben und das Gedenken zum Volkstrauertag bannt er auf Zelluloid, ebenso Kerwe, Theater, Tanzabende. Auch Hochzeiten, Konfirmation und Kommunion, oder Gebäude in den Ortschaften.

Fotografieren damals ist nicht so einfach. Die Fotoapparate haben weniger Funktionen, nur ein begrenztes Filmvolumen. Die einmal belichtete Aufnahme ist in der Dunkelkammer zu entwickeln. Wer sich fotografieren lässt, muss einige Tage warten, bevor er sein Porträt sehen kann.

Ein Schatz für den Archivar

Im Jahr 1965 zieht Schöfer von Wölchingen nach Boxberg in den Lindenrain, hier richtet er sich sein Fotoatelier ein. 1969 heiratete er Marianne Quenzer. Zum täglich Brot werden für ihn wohl die Passbilder. Und wer dann ein paar Tage nach der Aufnahme wieder ins Atelier kam, hörte als erstes den typischen Schöfer-Satz: „Die Bilder seinen scheen geworden!“

Vor 25 Jahren, kurz nach seinem 75. Geburtstag, starb der Fotograf, am 18. März 1996 in Tauberbischofsheim. Seine Witwe überreichte, wie von ihm gewünscht, den fotografischen Nachlass dem Stadtarchiv. Und der Archivar staunte nicht schlecht: gut drei Jahrzehnte lang hat Schöfer seine Foto-Negativ-Rollen in Filmdöschen gesammelt. Leider kaum beschriftet, aber Jahr für Jahr geordnet. Ein Schatz, der im Boxberger Archiv schlummert, von dem erst etwa 20 Prozent erschlossen ist. Dazu rund ein Dutzend Kurzfilme, die meisten inzwischen auf DVD überspielt.

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Schade nur, dass viele der aufgenommenen Zeitgenossen inzwischen verstorben sind, die meisten Filmnegative noch ihrer Wiederentdeckung harren.