3-3-3-Sex-Regulation: Lesbierin und trans Personen die Erlaubnis haben in Ostmark künftig Lebenssaft spenden

Publiziert20. Mai 2022, 20:12

Österreich senkt die Hürden für Blutspenden von Homosexuellen. Für diese Gruppe gelte wie für alle anderen Männer und Frauen künftig eine sogenannte Drei-mal-drei-Regel.

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Die Blutspende in Österreich wird künftig nur noch vom individuellen Risikoverhalten abhängig sein und nicht von der sexuellen Orientierung oder vom Geschlecht.

20min/Vanessa Lam

Wer innerhalb der letzten drei Monate mit drei verschiedenen Partnern Sex gehabt habe, werde für drei Monate von der Blutspende ausgenommen – egal, ob Mann, Frau, Hetero, Homo oder trans Person. 

ZSZAnders in der Schweiz. Obwohl hierzulande seit dem 1. Juli 2017 auch homosexuelle Männer Blut spenden dürfen, gibt es einen Vorbehalt: Die Männer müssen vor der Spende zwölf Monate sexuell abstinent gewesen sein. 

Anders in der Schweiz. Obwohl hierzulande seit dem 1. Juli 2017 auch homosexuelle Männer Blut spenden dürfen, gibt es einen Vorbehalt: Die Männer müssen vor der Spende zwölf Monate sexuell abstinent gewesen sein. 

Tamedia AG

  • Homo- und bisexuelle Männer durften bisher nur dann in Österreich Blut spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten.

  • Trans und nicht-binäre Menschen waren komplett von der Blutspende ausgeschlossen. 

  • Mit der 3-3-3-Sex-Regelung fällt nun das Blutspendeverbot aufgrund der sexuellen Orientierung.

Die österreichische Bundesregierung will Homosexuellen, Bisexuellen und trans Personen den gleichberechtigten Zugang zur Blutspende ermöglichen. «Wir beseitigen damit eine völlig aus der Zeit gefallene Ungleichbehandlung», sagte Gesundheitsminister und Grünen-Politiker Johannes Rauch am Freitag in Wien. Die neuen Regeln zur Blutspende treten «in diesem Sommer» in Kraft, wie ein Regierungssprecher der Nachrichtenagentur AFP mitteilte.

Laut einer neuen Verordnung der konservativ-grünen Regierung gilt künftig eine «Drei-mal-drei-Regel» für alle: Wer innerhalb der letzten drei Monate mit drei verschiedenen Partnern Sex hatte, wird für drei Monate von der Blutspende ausgenommen – unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Künftig zähle nur noch das individuelle Verhalten und nicht, «wen man liebt oder wer man ist», sagte Rauch.

Auch konservative ÖVP stimmte der neuen Regel zu

Auch der grössere Koalitionspartner der Grünen, die konservative ÖVP, habe der Verordnung zugestimmt. In den vergangenen Jahren hatte sie sich gegen Veränderungen beim Blutspenden gestellt. Bisher waren in Österreich von der Blutspende Menschen ausgeschlossen, die «riskante» sexuelle Kontakte in den vergangenen zwölf Monaten hatten.

Laut Aktivisten lehnten mehrere Organisationen, darunter das Rote Kreuz, auf dieser Grundlage Blutspenden von Homosexuellen, Bisexuellen und trans Personen ab – unter Verweis auf ein angeblich erhöhtes Aids-Risiko.

In der Schweiz fühlen sich Homosexuelle diskriminiert

In jüngster Zeit hatten die USA, Grossbritannien, Kanada, Frankreich, Spanien, Italien und Israel es Homosexuellen, Bisexuellen und trans Personen mit gesetzlichen Änderungen erleichtert, Blut zu spenden. Anders in der Schweiz: Hierzulande dürfen homo- und bisexuelle Männer nur dann Blut spenden, wenn sie mindestens ein Jahr keinen Sex hatten. Die Schweizer Dachorganisation der schwulen und bisexuellen Männer, Pink Cross, setzt sich seit Jahren für einen Wegfall der Sonderregel ein.

Bei der Blutspende SRK Schweiz argumentiert man die aktuelle strenge Regelung mit wissenschaftlichen Studien. Diese zeigten, dass das Risiko einer Ansteckung mit gefährlichen Infektionskrankheiten bei Menschen in bestimmten Lebenssituationen deutlich erhöht sei, sagt Franziska Kellenberger. «Auch wenn im Labor jede einzelne Blutspende auf allfällige Krankheitserreger getestet wird, gibt es immer noch ein minimales Risiko.» Die angewandten Spendekriterien dienten dazu, die Sicherheit von Blutprodukten für oft schwer kranke Empfänger zu gewährleisten – und nicht, um bestimmte Personengruppen pauschal von der Blutspende auszuschliessen, betont Kellenberger. 

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

(DPA/kle)