22. September 2018: Die erste gleichgeschlechtliche Heirat in dieser Royal Family | Dies Kalenderblatt | Bayern 2 | Rundfunkgerät

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September

Mittwoch, 22. September 2021

Autor(in): Isabella Arcucci

Sprecher(in): Johannes Hitzelberger

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Susi Weichselbaumer

Im September 2018, wenige Monate nach der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle, wurden eingefleischte Royalisten von erneutem Glockengeläute aufgeschreckt. Lord Ivar Mounbatten, ein Cousin der Queen, vermählte sich – zum zweiten Mal. Ein Anlass, um Riechfläschchen und Rescue Tropfen bereit zu halten. Nein, seine Lordschaft gab das Ja-Wort keiner geschiedenen Ex-Schauspielerin mit afroamerikanischen Wurzeln und eigener Meinung. Er schloss den Bund der Ehe auch nicht mit einer braven Eliteuniabsolventin à la Kate Middleton, deren bürgerliche Verwandtschaft nun, am königlichen Teetisch, der Queen die Scones mit Clotted Product wegfuttert.

Nein, Lord Ivar Mountbatten heiratete einen Flugbegleiter! Die erste gleichgeschlechtliche Eheschließung in der Geschichte der englischen Royal Household. Zwei Männer, die Händchen haltend vom Balkon des Buckingham Palastes winken? Surprising!

Von Liebesbriefe zwischen Queen und Vizekönigin

Aber Buckingham, Buckingham…. war da nicht was…? Ach ja, richtig! George Villiers der erste Duke of Buckingham, geboren 1592, gestorben 1628. Ein schmucker Mann war das, wie ein Porträt beweist. Das fand auch James I., König von England und Irland. George Villiers war erst 21 Jahre jung, als er dem intestine doppelt so alten Monarchen angenehm auffiel. Zwar stammte Villiers aus bescheidenem Adel, aber seine verwitwete Mutter hatte alles darangesetzt, ihren Sohn zum perfekten Höfling erziehen zu lassen. James I. förderte George, verlieh ihm den Titel Duke of Buckingham – und verlor sein Herz an ihn. Davon erzählen Unmengen von Briefen, in denen die beiden sich zärtlich als husband and spouse anreden.

Und auch Queen Anne und Sarah Churchill schrieben sich Anfang des 18. Jahrhunderts ihre leidenschaftlichen Gefühle von der Seele. Sarah wurde zur engsten politischen Beraterin der regierenden Anne und bewachte eifersüchtig sowohl die königliche Privatschatulle als auch die Queen selbst. Das sorgte für allerlei böses Gemunkel, vor allem auch unter den beleidigten Männern bei Hof, die sich über den Einfluss von „Vizekönigin Sarah“ ärgerten.

Große Gefühle und britisches Wetter

Englische Schulkinder erfuhren über diese Seite der Geschichte lange nichts. Bis 2003 galt der Portion 28, der jegliche Aufklärungsarbeit über Homosexualität an Schulen verbot.

Auch Lord Ivar Mountbatten kämpfte mit sich und hielt seine Liebe zu Männern lange geheim. Nicht aber vor Exfrau Penny. An ihrem Arm schritt Ivar bei seiner zweiten Hochzeit am 22. September 2018 in die Kapelle von Bridwell Park, wo Penny ihn feierlich seinem Verlobten James Coyle übergab. Eine kleine Zeremonie, ohne Pomp, Balkon-Winken und royale Verwandtschaft. Egal. Exfrau Penny schwärmte in einem Job interview, sie habe Ivar nie so entspannt, liebenswürdig und vor allem glücklich gesehen, wie nach seinem Coming-Out an der Seite von James.

Lord Ivar Mountbatten selbst kommentierte auf Instagram das emotionale wie historische Ereignis seiner Hochzeit mit englischem Understatement: „Es war ein toller Tag, abgesehen vom miserablen britischen Wetter.“

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