​Studie: Treibhausklima gab es schon einmal – Wissenschaft und Technologie

Ein Team um Wiener Forscher hat sich im Rahmen von Computersimulationen die klimatische Entwicklung im Erdmittelalter – dem Mesozoikum – genau angesehen. In der Zeit vor 252 bis 66 Millionen Jahren herrschte demnach großteils ausgeprägtes Treibhausklima. Knapp vor dem Einschlag des “Dinokiller”-Asteroiden wurde es jedoch kühler. Das Tempo der einstigen Klimaveränderungen war jedenfalls zu keiner Zeit mit den heutigen vergleichbar, so der Geologe Michael Wagreich zur APA.

Zur Zeit der Dinosaurier veränderte sich das Klima beständig. Dass es damals meist wärmer war als heute, wo wir uns eigentlich am Ende einer ausgehenden Eiszeit befinden, ist mehrfach dokumentiert. Wie sich das einstige Klima aber in Abständen von fünf Millionen Jahren entwickelte, hat sich das Team um den Erstautor Jan Landwehrs vom Institut für Geologie der Universität Wien im Fachblatt “Paleoceanography and Paleoclimatology” genauer angesehen.

Gründe der Erderwärmung

Dabei setzte man auf heutige Klimamodelle, die an die damaligen Bedingungen angepasst wurden. Diese waren durchaus sehr anders, da zu jener Zeit über unvorstellbar lange Zeiträume hinweg der Superkontinent Pangäa auseinanderbrach und sich langsam die heutigen Kontinente abzeichneten. Diese Veränderungen plus die erhöhten CO2-Konzentration, eine stärker werdende Sonnenleuchtkraft, veränderte Meeresspiegel oder Schwankungen der Erdachse und Umlaufbahn erzeugten ein warm-feuchtes Treibhausklima. Das Zusammenspiel dieser Faktoren variierten die Forscher in den Simulationen und verglichen die Ergebnisse dann dahin gehend, ob sie mit dem Bild zusammenpassen, das Gesteinsproben aus den jeweiligen Epochen zeichnen, erklärte Co-Autor Wagreich.

Auch die neuen Berechnungen zeigen, dass die globalen Mitteltemperaturen im Mesozoikum im Vergleich zur vorindustriellen Zeit höher lagen. Mitverursacht wurde der kontinuierliche Trend zu Erwärmung vor allem durch die wachsende Sonnenleuchtkraft und ansteigende Meeresspiegel. “Die Oberflächen von Ozeanen reflektieren typischerweise weniger Sonnenstrahlung als Landoberflächen, und da bei einem höheren Meeresspiegel die flachen Kontinentalbereiche überflutet wurden, trug dies auch zu höheren globalen Mitteltemperaturen bei”, so Landwehrs. Dazu kamen Schwankungen der CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre.

Grenzen der Ähnlichkeit

Diese brachten den neuen Berechnungen zufolge besonders warme Abschnitte im frühen und späten Mesozoikum – also in der Trias- und mittleren Kreidezeit – mit sich. Relativ kurz vor dem jähen Ende der Dinosaurierzeit sanken dann die Kohlendioxidwerte in der ausgehenden Kreidezeit wieder. Das beendete auch die ausgedehnte Warmphase schon vor dem Asteroideneinschlag, so die Wissenschafter.

Auf ein ähnliches Absinken der CO2-Konzentrationen brauche man jetzt allerdings nicht setzen, so Wagreich. Denn die vom Menschen verursachten Emissionserhöhungen seien in ihrem Tempo beispiellos und lassen die aktuell eigentlich ausgehende Eiszeit “in ein Treibhausklima” kippen, über das man aktuell relativ wenig sagen könne. Die letzte größere dokumentierte derartige Entwicklung war vor rund 55 Millionen Jahren. Daher lohne sich auch der Blick auf das Kreidezeit-Treibhaus, der in weiteren Forschungsarbeiten bald geschärft werden soll. Denn: “Wir gehen da in eine Welt, die der Kreidezeit ähnlicher ist als wir eigentlich wollen”, so Wagreich.

Dementsprechend sei mit mehr Niederschlägen im Erdsystem zu rechnen. Das bezeugen auch Fossilien- und Gesteinsanalysen aus dem Erdmittelalter, so der Geologe: “Wir sehen das in den Sedimenten, wir sehen das in der Verwitterung.” Einige aktuelle Wetterphänomene könne man schon dahin gehend interpretieren.

pm/apa